Arc Force gehört zu den wichtigsten Zusatzfunktionen moderner Inverter-Schweißgeräte für das E-Hand- beziehungsweise MMA-Schweißen. Trotzdem bleibt die Einstellung bei vielen Anwendern auf dem Standardwert, weil ihre Wirkung nicht sofort verständlich ist. Richtig eingesetzt stabilisiert Arc Force einen sehr kurzen Lichtbogen, reduziert das Festkleben der Elektrode und beeinflusst, wie weich oder druckvoll sich das Schweißgerät verhält.
Die Funktion ersetzt jedoch weder die richtige Stromstärke noch eine saubere Elektrodenführung. Ein zu hoher Wert kann den Lichtbogen unnötig aggressiv machen, Spritzer verstärken und bei dünnem Material zu starkem Einbrand führen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Arc Force arbeitet, wie sich die Einstellung auf die Schweißnaht auswirkt und wie Sie einen passenden Ausgangswert für Ihr E-Hand- oder MMA-Schweißgerät finden.
- Arc Force reagiert auf einen sehr kurzen Lichtbogen: Sinkt die Lichtbogenspannung, erhöht das Gerät den Strom vorübergehend und verhindert so einen instabilen Kurzschluss.
- Mehr Arc Force bedeutet einen härteren Lichtbogen: Die Elektrode klebt weniger leicht fest und der Einbrand kann zunehmen, gleichzeitig können aber mehr Spritzer entstehen.
- Die Einstellung muss zur Elektrode passen: Elektrodenart, Durchmesser, Schweißposition und Materialstärke beeinflussen den optimalen Wert.
Was ist Arc Force?
Arc Force, auch als Lichtbogendynamik oder „Dig“ bezeichnet, ist eine Regelungsfunktion beim E-Hand-Schweißen. Sie überwacht die Lichtbogenspannung und reagiert, wenn die Elektrode dem Werkstück sehr nahe kommt. In diesem Moment sinkt die Spannung stark ab und es droht ein Kurzschluss.
Das Schweißgerät erhöht dann den Ausgangsstrom kurzfristig. Dieser zusätzliche Stromstoß hilft, den Tropfenübergang aufrechtzuerhalten und verhindert, dass die Elektrode sofort am Werkstück festklebt. Arc Force arbeitet somit nicht dauerhaft mit einem höheren Schweißstrom, sondern greift dynamisch in kritischen Situationen ein.
Die Funktion ist besonders bei modernen Inverter-Schweißgeräten verbreitet. Bei einfachen Geräten ist sie häufig fest programmiert. Leistungsfähigere Modelle ermöglichen dagegen eine stufenlose oder mehrstufige Einstellung.
Wie funktioniert Arc Force?
Beim E-Hand-Schweißen hängt die Lichtbogenspannung stark von der Entfernung zwischen Elektrode und Werkstück ab. Wird der Lichtbogen länger, steigt die Spannung. Wird er kürzer, fällt die Spannung ab. Berührt die Elektrode das Schweißbad, entsteht ein Kurzschluss.
Arc Force erkennt den Spannungsabfall und erhöht für kurze Zeit die Stromstärke. Dadurch wird mehr Wärme am Elektrodenende erzeugt, der Tropfen löst sich leichter ab und der Lichtbogen kann weiterbrennen.
- druckvollerer und härterer Lichtbogen,
- geringere Neigung zum Festkleben der Elektrode,
- stärkerer Einbrand,
- besseres Verhalten bei sehr kurzem Lichtbogen,
- bei zu hoher Einstellung möglicherweise mehr Spritzer und ein unruhigeres Schweißbad.
Eine niedrigere Einstellung erzeugt meist einen weicheren und ruhigeren Lichtbogen. Das kann bei dünneren Werkstücken oder bei Anwendungen hilfreich sein, bei denen ein kontrolliertes Schweißbad wichtiger ist als ein besonders kräftiger Einbrand.
Wie stellt man Arc Force richtig ein?
Der Zahlenwert ist nicht zwischen allen Schweißgeräten direkt vergleichbar. Bei einem Gerät kann die Skala von 0 bis 10 reichen, bei einem anderen von 0 bis 100 Prozent. Deshalb sollte die Bedienungsanleitung des jeweiligen Modells als Ausgangspunkt dienen.
- Stromstärke zuerst einstellen: passend zu Elektrodentyp, Elektrodendurchmesser, Materialstärke und Schweißposition.
- Mit mittlerer Arc-Force-Einstellung beginnen: Dadurch entsteht ein neutraler Ausgangspunkt.
- Kurze Probenaht schweißen: Zündverhalten, Festkleben, Spritzer, Einbrand und Schweißbad beobachten.
- Wert schrittweise erhöhen: wenn die Elektrode häufig klebt oder der Lichtbogen zu schwach wirkt.
- Wert schrittweise reduzieren: wenn der Lichtbogen zu hart wird, stark spritzt oder das Schweißbad schwer kontrollierbar ist.
Arc Force sollte nicht dazu verwendet werden, eine grundsätzlich falsch eingestellte Stromstärke zu kompensieren. Klebt die Elektrode trotz hoher Arc Force ständig fest, können auch eine zu geringe Stromstärke, falsche Elektrodenführung, feuchte Elektroden, schlechte Masseverbindung oder verunreinigtes Material die Ursache sein. Der Beitrag Warum klebt die Elektrode beim Schweißen fest? behandelt diese Fehlerquellen ausführlicher.
Zu hohe und zu niedrige Arc-Force-Einstellung erkennen
| Einstellung | Typische Wirkung | Mögliche Probleme |
|---|---|---|
| Zu niedrig | Weicher Lichtbogen, ruhiges Schweißbad, geringer zusätzlicher Kurzschlussstrom. | Elektrode klebt leichter fest, Lichtbogen kann bei kurzer Führung instabil werden. |
| Passend | Stabiler Lichtbogen, kontrollierter Tropfenübergang und gut beherrschbares Schweißbad. | Keine auffälligen Probleme bei korrekter Stromstärke und Führung. |
| Zu hoch | Sehr druckvoller, harter Lichtbogen und stärkerer Einbrand. | Mehr Spritzer, unruhiges Schweißbad, Einbrandkerben oder Durchbrand bei dünnem Material. |
Arc Force an Elektrode und Anwendung anpassen
- Rutile Elektroden: meist leichtes Zünden und ruhiger Lichtbogen; häufig genügt eine niedrige bis mittlere Einstellung.
- Basische Elektroden: können eine kräftigere Lichtbogenregelung benötigen, besonders bei kurzem Lichtbogen oder in Zwangspositionen.
- Zelluloseelektroden: werden häufig mit einem druckvollen Lichtbogen eingesetzt; nicht jedes Invertergerät ist dafür geeignet.
- Dünne Werkstücke: eine zu hohe Einstellung kann den Einbrand unnötig verstärken.
- Wurzellagen und schwierige Positionen: ein höherer Wert kann helfen, den sehr kurzen Lichtbogen stabil zu halten.
Die optimale Einstellung sollte immer anhand einer Probenaht geprüft werden. Angaben des Elektrodenherstellers und des Schweißgeräteherstellers haben Vorrang.
Arc Force, Hot Start, Anti Stick und VRD – die Unterschiede
- Hot Start: erhöht den Strom kurz beim Zünden. Mehr dazu im Beitrag Hot Start beim MMA-Schweißen.
- Arc Force: erhöht den Strom während des Schweißens, wenn die Spannung bei einem sehr kurzen Lichtbogen stark abfällt.
- Anti Stick: reduziert den Strom, wenn die Elektrode bereits am Werkstück festklebt.
- VRD: reduziert die Leerlaufspannung, wenn nicht geschweißt wird. Mehr dazu unter VRD-Funktion im Schweißgerät.
Weitere Grundlagen und Problemlösungen finden Sie im E-Hand-Schweißen-Ratgeber.
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Zusammenfassung
Arc Force stabilisiert den MMA-Lichtbogen, wenn die Elektrode dem Werkstück sehr nahe kommt und die Lichtbogenspannung stark absinkt. Das Gerät erhöht den Strom kurzfristig, wodurch die Elektrode weniger leicht festklebt und ein sehr kurzer Lichtbogen besser kontrolliert werden kann.
Ein hoher Wert ist jedoch nicht automatisch besser. Zu viel Arc Force kann den Lichtbogen hart machen, den Einbrand verstärken und zusätzliche Spritzer verursachen. Der beste Wert ist daher der niedrigste Wert, bei dem der Lichtbogen für die verwendete Elektrode und die jeweilige Schweißaufgabe zuverlässig stabil bleibt.
Häufig gestellte Fragen zu Arc Force
Was bedeutet Arc Force beim Schweißgerät?
Arc Force ist eine Funktion für das E-Hand- beziehungsweise MMA-Schweißen. Wenn die Lichtbogenspannung stark absinkt, weil die Elektrode dem Werkstück zu nahe kommt, erhöht das Schweißgerät den Strom kurzfristig. Dadurch bleibt der Lichtbogen stabiler und die Elektrode klebt weniger leicht fest.
Wie hoch sollte Arc Force eingestellt werden?
Es gibt keinen universellen Wert. Als Ausgangspunkt eignet sich häufig eine mittlere Einstellung. Klebt die Elektrode oft fest oder soll ein druckvollerer Lichtbogen entstehen, kann Arc Force schrittweise erhöht werden. Bei zu vielen Spritzern, einem unruhigen Schweißbad oder zu aggressivem Einbrand sollte der Wert reduziert werden.
Was passiert bei zu hoch eingestellter Arc Force?
Eine zu hohe Arc-Force-Einstellung kann den Lichtbogen sehr hart und aggressiv machen. Mögliche Folgen sind mehr Spritzer, ein unruhiges Schweißbad, stärkerer Einbrand und eine erhöhte Gefahr von Einbrandkerben, besonders bei dünnen Werkstücken.
Was ist der Unterschied zwischen Arc Force und Hot Start?
Hot Start erhöht den Strom nur kurz beim Zünden der Elektrode. Arc Force greift dagegen während des Schweißens ein, wenn die Lichtbogenspannung durch einen sehr kurzen Lichtbogen oder einen beginnenden Kurzschluss absinkt.
Ist Arc Force dasselbe wie Anti Stick?
Nein. Arc Force erhöht den Strom kurzfristig, um einen beginnenden Kurzschluss zu überwinden. Anti Stick reduziert den Strom, wenn die Elektrode bereits am Werkstück festklebt. Dadurch lässt sie sich leichter lösen und überhitzt weniger.