Edelstahl wird überall dort eingesetzt, wo Korrosionsbeständigkeit, Hygiene oder eine hochwertige Oberfläche gefordert sind. Beim Schweißen muss jedoch deutlich sorgfältiger gearbeitet werden als bei gewöhnlichem Baustahl. Zu hoher Wärmeeintrag, ungeeignetes Schutzgas oder verunreinigte Werkzeuge können die Nahtqualität und die Korrosionsbeständigkeit beeinträchtigen.
Für präzise und optisch saubere Verbindungen werden häufig WIG-DC-Schweißgeräte für Edelstahl eingesetzt. Bei längeren Nähten und höherer Produktivität kommen geeignete MIG/MAG-Schweißgeräte für Edelstahl zum Einsatz. Entscheidend sind immer Werkstoffgruppe, Zusatzwerkstoff, Schutzgas und eine kontrollierte Wärmeeinbringung.
- WIG DC eignet sich für dünne Bleche, Rohre und hochwertige Sichtnähte.
- MIG/MAG ist produktiver und für längere Nähte sowie größere Bauteile geeignet.
- Sauberkeit und Nachbehandlung sind entscheidend für die Korrosionsbeständigkeit.
Was ist Edelstahl?
Edelstahl ist kein einzelner Werkstoff, sondern eine große Gruppe legierter Stähle. Korrosionsbeständige Edelstähle enthalten ausreichend Chrom, sodass sich an der Oberfläche eine dünne Passivschicht bildet. Wird diese Schicht beschädigt und steht genügend Sauerstoff zur Verfügung, kann sie sich erneut bilden.
Zusätzliche Legierungselemente wie Nickel, Molybdän, Stickstoff oder Titan beeinflussen Gefüge, Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und Schweißeignung. Für die Auswahl von Zusatzwerkstoff, Schutzgas und Wärmeeintrag muss deshalb die genaue Werkstoffnummer bekannt sein.
| Werkstoffgruppe | Typische Eigenschaften | Hinweis beim Schweißen |
|---|---|---|
| Austenitisch | gut formbar, meist sehr korrosionsbeständig | Wärmeeintrag und Heißrissneigung beachten |
| Ferritisch | nickelarm, magnetisch | Kornwachstum und Zähigkeitsverlust begrenzen |
| Martensitisch | härtbar, hohe Festigkeit | Vorwärmung und Wärmebehandlung können nötig sein |
| Duplex | hohe Festigkeit und gute Korrosionsbeständigkeit | ausgewogene Wärmeeinbringung und passendes Gas erforderlich |
WIG oder MIG/MAG – welches Verfahren eignet sich besser?
Die Wahl hängt von Materialstärke, Nahtlänge, Qualitätsanforderung und Produktivität ab.
| Kriterium | WIG DC | MIG/MAG |
|---|---|---|
| Dünne Bleche | sehr gut kontrollierbar | mit geeigneter Kurzlichtbogen- oder Pulsregelung |
| Nahtoptik | sehr sauber und präzise | gut bei korrekter Einstellung |
| Arbeitsgeschwindigkeit | niedriger | deutlich höher |
| Zusatzwerkstoff | manuell oder automatisiert zugeführt | kontinuierlicher Drahtvorschub |
Edelstahl mit WIG DC schweißen
Beim WIG-Schweißen von Edelstahl wird üblicherweise Gleichstrom mit negativ gepolter Wolframelektrode verwendet. Der Lichtbogen brennt zwischen der nicht abschmelzenden Elektrode und dem Werkstück. Zusatzwerkstoff wird bei Bedarf separat zugeführt.
Das Verfahren ermöglicht eine sehr gute Kontrolle des Schmelzbads und eignet sich besonders für dünne Bleche, Rohre, Wurzellagen und hochwertige Sichtnähte. Wichtige Funktionen sind HF-Zündung, Stromabsenkung, einstellbare Gasvor- und Gasnachströmzeit sowie bei dünnem Material eine Pulsfunktion.
Passende Geräte finden Sie in der Kategorie WIG-DC-Schweißgeräte. Wer ein vollständiges Paket sucht, kann zusätzlich WIG-DC-Schweißgeräte-Sets vergleichen.

Edelstahl mit MIG/MAG schweißen
Beim MIG/MAG-Verfahren wird der abschmelzende Edelstahldraht kontinuierlich durch den Brenner gefördert. Für Edelstahl werden spezielle Drahtsorten und passende Schutzgasgemische verwendet. Die Auswahl muss zum Grundwerkstoff passen, beispielsweise 308LSi oder 316LSi bei entsprechenden austenitischen Stählen.
Für dünne Bleche sind synergische Schweißgeräte für Edelstahl und Geräte mit Pulsregelung besonders interessant. Die Synergie erleichtert die Grundeinstellung, ersetzt aber nicht die Kontrolle von Draht, Gas und Material.
Eine saubere Drahtführung ist wichtig. Für Edelstahl sollten Vorschubrollen, Liner und Werkzeuge nicht mit gewöhnlichem Stahl verunreinigt sein. Ein Teflonliner ist jedoch keine allgemeine Pflicht; häufig werden auch geeignete Kunststoff- oder spezielle Stahlspiralen verwendet.
Edelstahl mit Puls schweißen
Beim Pulsschweißen wechselt der Strom zwischen Impuls- und Grundstrom. Dadurch lässt sich der Wärmeeintrag besser kontrollieren. Beim MIG/MAG-Puls kann zudem ein weitgehend spritzerarmer Werkstoffübergang erreicht werden.
Vorteile können sein:
- geringerer mittlerer Wärmeeintrag,
- bessere Kontrolle bei dünnen Blechen,
- weniger Spritzer beim MIG/MAG-Schweißen,
- kontrollierter Nahtaufbau,
- geringeres Verzugrisiko bei passenden Einstellungen.
Eine Pulsfunktion garantiert jedoch nicht automatisch eine fehlerfreie Naht. Frequenz, Pulsstrom, Grundstrom, Drahtvorschub und Schweißgeschwindigkeit müssen aufeinander abgestimmt werden. Weitere Grundlagen finden Sie im Beitrag Impulsschweißen mit MIG/MAG und WIG.
Edelstahl vor dem Schweißen vorbereiten
- Werkstoff bestimmen: Werkstoffnummer und Legierungsgruppe prüfen.
- Oberfläche entfetten: Öl, Fett, Klebstoff und Markierungen entfernen.
- Werkzeuge trennen: Bürsten, Schleifmittel und Arbeitstische nicht zuvor für Baustahl verwenden.
- Zusatzwerkstoff anpassen: Draht oder Stab passend zum Grundwerkstoff auswählen.
- Schutzgas kontrollieren: Gasart, Durchfluss und Dichtheit prüfen.
- Wärmeeintrag begrenzen: unnötig hohe Ströme und zu langsame Führung vermeiden.
Anlauffarben und Korrosionsbeständigkeit
Beim Schweißen entstehen häufig Anlauffarben. Sie zeigen eine oxidierte Oberflächenschicht an, in deren Bereich die Korrosionsbeständigkeit reduziert sein kann. Je nach Anwendung werden diese Bereiche gebürstet, geschliffen, gebeizt oder elektrochemisch gereinigt. Danach muss sich eine saubere Passivschicht ausbilden können.
Formieren der Nahtwurzel
Bei Rohren und geschlossenen Profilen wird die Nahtwurzel häufig mit einem geeigneten Formiergas gegen Oxidation geschützt. Gaszusammensetzung und Durchfluss müssen zum Werkstoff passen. Wasserstoffhaltige Formiergase dürfen nicht pauschal für jede Edelstahlgruppe empfohlen werden.
Welches Schweißgerät für Edelstahl ist sinnvoll?
Für dünne Bleche, Rohre und Sichtnähte ist ein WIG-DC-Inverter mit HF-Zündung, Puls, Stromabsenkung und einstellbarer Gasnachströmung meist die beste Wahl. Für längere Nähte und höhere Produktivität eignet sich ein MIG/MAG-Gerät mit Edelstahlprogramm, Synergie oder Puls.
Tipps zum Schweißen von Edelstahl
Beim Schweißen von Edelstahl kommt es nicht nur auf das passende Gerät an. Ebenso wichtig sind die genaue Werkstoffbestimmung, ein geeigneter Zusatzwerkstoff, das richtige Schutzgas sowie eine saubere Vorbereitung und Nachbehandlung der Oberfläche.
- Passendes Schweißverfahren wählen: WIG DC eignet sich besonders für dünne Bleche, Rohre und hochwertige Sichtnähte. MIG/MAG ist bei längeren Nähten und höherer Arbeitsgeschwindigkeit meist wirtschaftlicher. Die Auswahl sollte immer zur jeweiligen Edelstahlgruppe und Materialstärke passen.
- Geeignetes Schutzgas verwenden: Das Schutzgas beeinflusst Lichtbogenstabilität, Nahtform, Oberflächenqualität und Korrosionsbeständigkeit. Beim WIG-Schweißen wird häufig reines Argon eingesetzt, während beim MIG/MAG-Schweißen spezielle Gasgemische für Edelstahl erforderlich sind.
- Gaslinse beim WIG-Schweißen einsetzen: Eine Gaslinse sorgt für eine gleichmäßigere Schutzgasströmung und ermöglicht einen größeren Elektrodenüberstand. Dadurch lassen sich auch schwer zugängliche Stellen besser erreichen. Der zulässige Überstand hängt jedoch von Gasdüse, Stromstärke und Arbeitsposition ab.
- Material gründlich reinigen: Öl, Fett, Klebstoff, Markierungen und andere Verunreinigungen müssen vor dem Schweißen entfernt werden. Bürsten, Schleifmittel und Arbeitstische sollten ausschließlich für Edelstahl verwendet werden, damit keine Eisenpartikel von gewöhnlichem Stahl übertragen werden.
- Anlauffarben und Oxidschichten entfernen: Durch den Wärmeeintrag können sich auf der Oberfläche Anlauffarben bilden. In diesen Bereichen kann die Korrosionsbeständigkeit reduziert sein. Je nach Anwendung erfolgt die Nachbehandlung durch Bürsten, Schleifen, Polieren, Beizen oder elektrochemisches Reinigen.
- Saubere und gleichmäßige Drahtförderung sicherstellen: Beim MIG/MAG-Schweißen müssen Drahtführung, Vorschubrollen und Liner zum Edelstahldraht passen und frei von Verunreinigungen sein. Je nach Gerät können geeignete Kunststoffliner, Teflonliner oder spezielle Stahlspiralen verwendet werden.
- Pulsfunktion bei dünnen Blechen nutzen: Puls kann den mittleren Wärmeeintrag reduzieren, den Werkstoffübergang stabilisieren und Spritzer begrenzen. Die Funktion ist besonders bei dünnen Blechen und sichtbaren Nähten hilfreich, muss aber korrekt auf Draht, Gas und Material abgestimmt werden.
- Brennerwinkel an die Aufgabe anpassen: Ein leichter Schub- oder Zugwinkel kann die Sicht auf das Schmelzbad und die Gasabdeckung verbessern. Ein fester Winkel von 10 bis 15 Grad ist jedoch keine allgemeingültige Regel. Entscheidend sind Nahtform, Schweißposition, Verfahren und Werkstoffdicke.

Zusammenfassung
Edelstahl lässt sich mit WIG DC und MIG/MAG zuverlässig schweißen. WIG bietet die bessere Kontrolle und Nahtoptik, während MIG/MAG bei längeren Nähten produktiver ist. Puls kann den Wärmeeintrag und den Werkstoffübergang besser kontrollierbar machen.
Für eine korrosionsbeständige Verbindung sind jedoch nicht nur Gerät und Verfahren entscheidend. Werkstoffidentifikation, saubere Werkzeuge, passender Zusatzwerkstoff, korrektes Schutzgas sowie die Nachbehandlung der Anlauffarben bestimmen die Qualität der fertigen Verbindung.
Häufig gestellte Fragen zum Schweißen von Edelstahl
Welches Verfahren eignet sich zum Schweißen von Edelstahl?
Für dünne, sichtbare und präzise Nähte wird häufig WIG DC verwendet. Für längere Nähte und höhere Produktivität eignet sich MIG/MAG mit passendem Edelstahldraht und einem geeigneten Schutzgas.
Welches Schutzgas wird beim WIG-Schweißen von Edelstahl verwendet?
In vielen Anwendungen wird reines Argon eingesetzt. Für bestimmte austenitische Werkstoffe und automatisierte Prozesse können spezielle Argon-Gemische verwendet werden. Die Gaswahl muss zum Werkstoff und zur Schweißanweisung passen.
Kann Edelstahl mit einem normalen MIG/MAG-Schweißgerät geschweißt werden?
Ja, sofern das Gerät Gleichstrom mit geeigneter Polarität liefert und Edelstahldraht, passende Drahtführung sowie ein geeignetes Schutzgas verwendet werden. Besonders hilfreich sind Synergie- und Pulsprogramme.
Warum müssen Anlauffarben nach dem Schweißen entfernt werden?
Anlauffarben zeigen eine oxidierte Oberflächenschicht an. In diesem Bereich kann die Korrosionsbeständigkeit reduziert sein. Je nach Anwendung werden die Stellen mechanisch, chemisch oder elektrochemisch nachbehandelt.
Ist Puls beim Schweißen von Edelstahl sinnvoll?
Ja. Puls kann den Wärmeeintrag besser kontrollierbar machen, Spritzer reduzieren und das Schweißen dünner Bleche erleichtern. Die Wirkung hängt jedoch von den Einstellungen und dem verwendeten Verfahren ab.