Beim Pulsschweißen wechselt der Schweißstrom zyklisch zwischen einem niedrigeren Grundstrom und einem höheren Pulsstrom. Dadurch lassen sich Wärmeeintrag, Tropfenübergang und Schweißbad gezielter steuern. Besonders interessant ist diese Funktion beim MIG/MAG- und WIG-Schweißen, beispielsweise bei Aluminium, Edelstahl und dünneren Werkstücken. Doch wie funktioniert Puls in beiden Verfahren und wann lohnt sich Doppelpuls?
Pulsschweißen - Definition und Funktionsweise
Beim Pulsschweißen werden zwei Stromniveaus genutzt. Der niedrigere Grundstrom hält den Lichtbogen stabil und begrenzt den durchschnittlichen Wärmeeintrag. In regelmäßigen Abständen steigt der Strom auf einen höheren Pulsstrom. Diese Stromspitzen liefern gezielt zusätzliche Energie für das Aufschmelzen und - beim MIG/MAG-Verfahren - für das Ablösen eines Tropfens vom Schweißdraht.
Der Stromverlauf wiederholt sich mit einer bestimmten Pulsfrequenz. Je nach Gerät und Verfahren lassen sich unter anderem Pulsstrom, Grundstrom, Pulsdauer beziehungsweise Pulsbreite und Frequenz beeinflussen. Bei synergetischen Geräten werden viele dieser Werte über hinterlegte Kennlinien miteinander gekoppelt.
Puls bedeutet nicht einfach „mehr Strom“. Entscheidend ist der kontrollierte Wechsel zwischen Grund- und Spitzenstrom. Dadurch kann trotz ausreichender Energie zum Aufschmelzen der mittlere Wärmeeintrag gegenüber einem vergleichbaren konstanten Strom reduziert werden.
Pulsschweißen mit MIG/MAG
Beim Puls-MIG/MAG-Schweißen werden dem Grundstrom kurze Stromimpulse überlagert. Während des Pulses steigt die Energie so weit an, dass sich ein Tropfen vom Drahtende ablösen und in das Schweißbad übertragen kann. Zwischen den Pulsen fällt der Strom wieder auf ein niedrigeres Niveau ab.
Dadurch lässt sich ein stabiler, weitgehend kurzschlussfreier Tropfenübergang bereits bei einem niedrigeren mittleren Schweißstrom erreichen, als er für einen konventionellen Sprühlichtbogen erforderlich wäre. Das kann Spritzer reduzieren und die Kontrolle des Schweißbades verbessern.
Moderne MIG/MAG-Schweißgeräte mit Pulsfunktion arbeiten häufig synergisch. Nach Auswahl von Material, Drahtdurchmesser und Schutzgas stellt das Gerät eine passende Kennlinie bereit; der Schweißer kann anschließend je nach Modell Korrekturen an Lichtbogenlänge, Dynamik oder weiteren Parametern vornehmen.
| Merkmal | Konventionelles MIG/MAG | Puls-MIG/MAG |
|---|---|---|
| Stromverlauf | weitgehend konstant | Wechsel zwischen Grund- und Pulsstrom |
| Tropfenübergang | abhängig von Strombereich und Lichtbogenart | gezielt durch Stromimpulse gesteuert |
| Spritzer | je nach Einstellung und Lichtbogenart | häufig deutlich geringer |
| Typische Anwendung | universelle Schweißarbeiten | u. a. Aluminium, Edelstahl, dünnere Werkstücke und Sichtnähte |
Pulsschweißen mit WIG
Auch beim WIG-Schweißen kann der Strom zwischen einem Grund- und einem Spitzenwert wechseln. Im Gegensatz zum MIG/MAG-Verfahren steht hier nicht die Steuerung des abschmelzenden Drahttropfens im Mittelpunkt, sondern vor allem die Kontrolle von Wärmeeintrag und Schweißbad.
Während der Hochstromphase wird das Werkstück stärker aufgeschmolzen. In der Grundstromphase sinkt die Wärmezufuhr, während der Lichtbogen erhalten bleibt. Dadurch kann das Schweißbad zwischen den Pulsen kontrollierter reagieren und der Schweißer erhält einen rhythmischen Arbeitsablauf.
Die Pulsfunktion wird beim WIG-Schweißen häufig für dünne Bleche, Edelstahl und Arbeiten eingesetzt, bei denen Verzug, Wärmeeinflusszone und Nahtgeometrie möglichst gut kontrolliert werden sollen. Je nach Anwendung kann die Stromstärke zusätzlich über einen Fußregler gesteuert werden.
Welche Vorteile bietet Pulsschweißen?
Die Pulsfunktion ist kein automatischer Garant für eine bessere Schweißnaht. Bei korrekt gewählten Parametern bietet sie jedoch mehrere praktische Vorteile, insbesondere bei wärmeempfindlichen Werkstoffen und anspruchsvollen Nahtbildern.
| Vorteil | Praktische Bedeutung |
|---|---|
| Kontrollierter Wärmeeintrag | hilfreich bei dünnen Werkstücken und wärmeempfindlichen Materialien |
| Weniger Spritzer bei MIG/MAG | weniger Nacharbeit bei korrekt eingestelltem Prozess |
| Bessere Kontrolle des Schweißbades | erleichtert die Führung in anspruchsvollen Positionen und an dünnen Bauteilen |
| Nahtbild | Puls und insbesondere Doppelpuls können ein gleichmäßiges, reproduzierbares Nahtbild unterstützen |
Besonders häufig wird Puls bei Edelstahl und Aluminium eingesetzt. Wer sich näher mit dem Fügen von Aluminium beschäftigen möchte, findet im Ratgeber Aluminium schweißen mit WIG und MIG/MAG weitere Hinweise zu Verfahren, Vorbereitung und Schutzgas.
Doppelpuls beim MIG/MAG-Schweißen - wie funktioniert er?
Beim Doppelpuls - häufig als Dual Pulse oder Double Pulse bezeichnet - wird der schnelle Pulsprozess zusätzlich durch eine zweite, deutlich langsamere Modulation überlagert. Dabei wechseln beispielsweise Drahtvorschub, mittlerer Schweißstrom und damit die Wärmeeinbringung zyklisch zwischen zwei Arbeitsniveaus.
Die langsamere Modulation beeinflusst die Größe und Erstarrung des Schweißbades. Dadurch kann eine regelmäßig geschuppte Nahtoberfläche entstehen, deren Optik an eine WIG-Schweißnaht erinnert. Besonders verbreitet ist Doppelpuls beim MIG-Schweißen von Aluminium.
Puls steuert vor allem den schnellen Tropfenübergang beziehungsweise beim WIG-Schweißen den Wärmeeintrag. Doppelpuls ergänzt beim MIG/MAG-Verfahren eine langsamere Modulation, die das Schweißbad und das Nahtbild zusätzlich beeinflusst.
Lohnt sich ein Schweißgerät mit Pulsfunktion?
Eine Pulsfunktion lohnt sich vor allem dann, wenn regelmäßig Aluminium, Edelstahl, dünnere Bleche oder optisch anspruchsvolle Sichtnähte geschweißt werden. Für einfache Reparatur- und Konstruktionsarbeiten an normalem Baustahl ist sie dagegen nicht zwingend erforderlich.
Bei der Auswahl sollte deshalb nicht nur auf die Bezeichnung „Puls“ oder „Dual Pulse“ geachtet werden. Ebenso wichtig sind eine stabile Drahtförderung, passende Synergieprogramme, verfügbare Einstellmöglichkeiten, Einschaltdauer und die Eignung des Geräts für den tatsächlich verwendeten Werkstoff und Draht.
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|---|---|
| SKANDI KRAFT iTECH MIG 280 4R Dual Puls | Magnum MIG 285 Dual Puls Synergia MIG/MAG |
Fazit
Beim Pulsschweißen wird der Schweißstrom gezielt zwischen Grund- und Spitzenwert moduliert. Beim MIG/MAG-Verfahren dient dies insbesondere dazu, den Tropfenübergang zu steuern und Spritzer zu reduzieren. Beim WIG-Schweißen steht dagegen die präzise Kontrolle von Wärmeeintrag und Schweißbad im Vordergrund.
Doppelpuls erweitert das MIG/MAG-Pulsschweißen um eine zweite, langsamere Modulation. Das ist besonders beim Aluminium-Schweißen interessant, wenn neben der Prozesskontrolle auch ein gleichmäßiges, dekoratives Nahtbild gefragt ist.
Häufig gestellte Fragen zum Pulsschweißen
Was ist Pulsschweißen?
Beim Pulsschweißen wechselt der Schweißstrom zwischen einem niedrigeren Grundstrom und einem höheren Pulsstrom. Dadurch lassen sich Wärmeeintrag, Tropfenübergang und Schweißbad gezielter beeinflussen.
Welche Vorteile bietet Puls beim MIG/MAG-Schweißen?
Puls-MIG/MAG kann den Werkstoffübergang stabilisieren, Spritzer reduzieren und einen Sprühlichtbogen-ähnlichen Tropfenübergang bei niedrigerem mittlerem Strom ermöglichen.
Wozu dient Puls beim WIG-Schweißen?
Beim WIG-Schweißen ermöglicht die Pulsfunktion eine gezieltere Steuerung des Wärmeeintrags und des Schweißbades. Sie wird häufig bei dünnen Blechen und Edelstahl eingesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen Puls und Doppelpuls?
Beim einfachen Puls wird der Schweißstrom zwischen Grund- und Pulsstrom moduliert. Beim Doppelpuls wird dieser schnelle Puls zusätzlich von einer langsameren Modulation überlagert, wodurch Wärmeeintrag und Nahtbild zyklisch verändert werden können.

