Die Einschaltdauer gehört zu den wichtigsten Leistungsangaben eines Schweißgeräts. Sie zeigt nicht, wie stark ein Gerät grundsätzlich ist, sondern wie lange es bei einer konkret angegebenen Stromstärke betrieben werden darf, bevor eine Abkühlphase erforderlich wird.
Beim Vergleich von Schweißgeräten sollte deshalb niemals nur der maximale Schweißstrom betrachtet werden. Ein Gerät mit 200 A kann für längere Arbeiten weniger geeignet sein als ein Modell mit niedrigerem Maximalstrom, aber deutlich höherer Einschaltdauer beim tatsächlich benötigten Arbeitsstrom.
Eine Einschaltdauer von 35 % bei 200 A bedeutet: Innerhalb eines zehnminütigen Bewertungszeitraums darf das Gerät bei 200 A rechnerisch 3,5 Minuten schweißen und benötigt anschließend 6,5 Minuten Abkühlzeit.
Was bedeutet die Einschaltdauer eines Schweißgeräts?
Die Einschaltdauer, häufig mit ED abgekürzt, beschreibt das Verhältnis zwischen Belastungszeit und Abkühlzeit bei einer festgelegten Ausgangsleistung. Sie wird in Prozent angegeben und muss immer gemeinsam mit dem zugehörigen Schweißstrom gelesen werden.
Die Angabe 60 % bei 160 A ist daher wesentlich aussagekräftiger als ein isolierter Wert von 60 %. Bei einer anderen Stromstärke kann das Gerät eine andere Einschaltdauer besitzen.
| Einschaltdauer | Schweißzeit im 10-Minuten-Zeitraum | Abkühlzeit |
|---|---|---|
| 20 % | 2 Minuten | 8 Minuten |
| 35 % | 3,5 Minuten | 6,5 Minuten |
| 60 % | 6 Minuten | 4 Minuten |
| 100 % | 10 Minuten | keine festgelegte Pause innerhalb des Bewertungszeitraums |
Wie wird die Einschaltdauer berechnet?
Beispiel: Ein Gerät besitzt bei 200 A eine Einschaltdauer von 40 %.
40 ÷ 100 × 10 = 4 Minuten Schweißzeit
Danach verbleiben innerhalb des Bewertungszeitraums sechs Minuten zur Abkühlung. Wird der Schweißstrom reduziert, steigt die mögliche Einschaltdauer üblicherweise an, weil Leistungselektronik, Transformator und Kühlsystem thermisch weniger belastet werden.
Einschaltdauer auf dem Typenschild richtig lesen
Auf dem Typenschild stehen häufig mehrere Stromwerte nebeneinander. Dadurch lässt sich erkennen, welchen Strom das Gerät bei unterschiedlichen Einschaltdauern bereitstellen kann. Typische Kennzeichnungen sind beispielsweise:
- X (40°C) Einschaltdauer (ED) in Prozent (gemessen bei 40°C Umgebungstemperatur).
- I₂ Schweißstrom (in Ampere / A).
- U₂ Schweißspannung unter Last (in Volt / V).
- U₀ Leerlaufspannung (in Volt / V).
- I₁max Maximaler Netzstrom (maximal benötigte Stromaufnahme aus dem Netz).
- I₁eff Effektiver Netzstrom (effektiver Stromverbrauch im Dauerbetrieb).

Beim Gerätekauf sollte geprüft werden, ob die Einschaltdauer klar dokumentiert ist. Der Ratgeber Gutes Schweißgerät kaufen – wichtige Kriterien und Funktionen zeigt, welche weiteren Angaben neben der ED relevant sind.
Einschaltdauer und Umgebungstemperatur
Die thermische Belastbarkeit hängt stark von der Umgebung ab. Hohe Werkstatttemperaturen, verschmutzte Lüftungsöffnungen, eingeschränkter Luftstrom oder ein aufgeheiztes Gerätegehäuse können die tatsächlich mögliche Belastungszeit verkürzen.
Für professionell bewertete Lichtbogenstromquellen wird die Erwärmungsprüfung nach der einschlägigen Norm unter definierten Bedingungen durchgeführt. Bei einem Vergleich verschiedener Geräte sollte deshalb darauf geachtet werden, ob Hersteller ihre Werte auf vergleichbarer Grundlage angeben.
Eine Umgebungstemperatur unterhalb der Prüfbedingung kann in der Praxis eine thermische Reserve schaffen. Sie ist jedoch kein Freibrief, die Herstellerangaben zu überschreiten. Ebenso können Staub und mangelnde Wartung diese Reserve vollständig aufheben. Hinweise dazu enthält der Beitrag Schweißgerät richtig pflegen und warten.
Welche Einschaltdauer sollte ein Schweißgerät haben?
Die passende ED richtet sich nicht nach einer pauschalen Einteilung in „Hobby“, „Werkstatt“ und „Profi“, sondern nach dem benötigten Strom und der realen Lichtbogenzeit. Beim Heften, Ausrichten und Vorbereiten entstehen natürliche Unterbrechungen. Beim Schweißen langer Nähte oder in der Serienfertigung läuft der Lichtbogen dagegen deutlich länger.
| Anwendung | Typische Belastung | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Gelegentliche Reparaturen | kurze Nähte und viele Arbeitsunterbrechungen | ED beim tatsächlich verwendeten Strom prüfen |
| Werkstatt und Montage | regelmäßige mittlere Schweißzyklen | ausreichende Reserve für warme Umgebung einplanen |
| Lange Nähte und Fertigung | hohe Lichtbogenzeit | hohe ED oder 100 % beim benötigten Arbeitsstrom |

Für Anwender, die noch zwischen den Verfahren wählen, ist der Beitrag Welche Arten von Schweißgeräten gibt es? ein sinnvoller Einstieg. Für den ersten Kauf eignet sich außerdem der Ratgeber Schweißgerät für Anfänger und Heimwerker.
Einschaltdauer, Leistung und Wirkungsgrad sind nicht dasselbe
Diese Begriffe werden häufig vermischt:
- Einschaltdauer: thermisch zulässige Belastungszeit bei einem bestimmten Ausgangsstrom,
- Leistung: elektrische Energie pro Zeit, die aufgenommen oder abgegeben wird,
- Wirkungsgrad: Verhältnis zwischen nutzbarer Ausgangsleistung und aufgenommener Leistung.
Ein hoher Wirkungsgrad kann die Wärmeverluste reduzieren, ersetzt aber keine ausreichende Kühlung. Ebenso sagt ein hoher Maximalstrom allein wenig darüber aus, wie lange dieser Strom nutzbar ist.
Bei Invertergeräten beeinflussen Leistungselektronik und Regelverfahren die Baugröße und Stromregelung. Der ergänzende Lexikonbeitrag PWM-Technologie im Schweißgerät erklärt, wie moderne Stromquellen ihre Ausgangsleistung elektronisch steuern.
Welche Rolle spielt die Netzversorgung?
Spannungsabfälle, zu lange Verlängerungsleitungen und ein zu kleiner Leiterquerschnitt können die verfügbare Leistung beeinträchtigen. Dadurch arbeitet das Gerät unter ungünstigeren Bedingungen und erreicht möglicherweise nicht die erwarteten Parameter.
Passende Hintergründe finden Sie in den Beiträgen Spannungsabfall beim Schweißgerät und Verlängerungskabel für Inverter-Schweißgeräte.
Unterscheidet sich die Einschaltdauer je nach Schweißverfahren?
Das Grundprinzip bleibt gleich, die praktische Belastung unterscheidet sich jedoch. Beim MIG/MAG-Schweißen langer Nähte ist die Lichtbogenzeit häufig höher als beim punktuellen Heften. Beim WIG-Schweißen können langsame Führung und hohe Präzisionsanforderungen zu langen Belastungsphasen führen. Beim MMA-Schweißen entstehen durch Elektrodenwechsel natürliche Pausen.
- MIG/MAG-Schweißgeräte – ED besonders bei langen Nähten und Serienarbeit prüfen,
- WIG-Schweißgeräte – Stromstärke, Brennerkühlung und Lichtbogenzeit gemeinsam bewerten,
- MMA- und Elektroden-Schweißgeräte – Elektrodenwechsel erzeugt Pausen, ersetzt aber keine ausreichende thermische Reserve.
Was passiert, wenn die Einschaltdauer überschritten wird?
Bei vielen modernen Stromquellen überwacht ein Temperaturschutz die Leistungskomponenten. Wird die zulässige Temperatur erreicht, unterbricht das Gerät den Schweißbetrieb und zeigt eine Überhitzung an. Nach ausreichender Abkühlung kann weitergearbeitet werden.
Die Aussage, ein moderner Inverter reduziere bei Überschreitung grundsätzlich nur den Strom, ist nicht allgemeingültig. Das Verhalten hängt von Konstruktion und Steuerung ab. Viele Geräte schalten den Ausgang vorübergehend ab. Wiederholte Überlastung, blockierte Lüftung oder das Umgehen des Schutzes können die Lebensdauer verkürzen.
Gerät eingeschaltet abkühlen lassen, sofern die Bedienungsanleitung dies vorsieht. Lüftungsöffnungen nicht abdecken und den Netzstecker nicht sofort ziehen, wenn dadurch der Lüfter stillsteht.
Schweißgerät nach realer Belastung auswählen
Vergleichen Sie nicht nur Maximalstrom und Preis, sondern auch die Einschaltdauer beim benötigten Arbeitsstrom, Kühlung, Netzversorgung und geplante Lichtbogenzeit.
Fazit
Die Einschaltdauer ist nur dann aussagekräftig, wenn sie gemeinsam mit dem zugehörigen Schweißstrom gelesen wird. Für kurze Reparaturen kann eine moderate ED ausreichen. Für lange Nähte, Werkstattbetrieb und Fertigung ist eine hohe thermische Reserve wesentlich wichtiger.
Beim Vergleich sollten zusätzlich Netzversorgung, Umgebungstemperatur, Kühlsystem, Wirkungsgrad und das gewählte Schweißverfahren berücksichtigt werden. Eine praxisgerechte Auswahl beschreibt der Ratgeber Schweißgerät für Zuhause oder Werkstatt auswählen.
Häufig gestellte Fragen zur Einschaltdauer
Was bedeutet 60 % Einschaltdauer bei einem Schweißgerät?
60 % Einschaltdauer bedeutet, dass das Gerät bei der angegebenen Stromstärke innerhalb eines zehnminütigen Bewertungszeitraums sechs Minuten schweißen und anschließend vier Minuten abkühlen darf.
Steigt die Einschaltdauer bei niedrigerem Schweißstrom?
In der Regel ja. Wird das Gerät unterhalb des Stromwerts betrieben, für den die Einschaltdauer angegeben wurde, sinkt die thermische Belastung. Maßgeblich bleiben jedoch die Kennlinie und die Angaben des Herstellers.
Ist eine Einschaltdauer von 100 % immer besser?
Eine hohe Einschaltdauer ist für lange Nähte und Produktionsarbeit vorteilhaft. Für Reparaturen, Montage oder Hobbyarbeiten kann eine niedrigere Einschaltdauer ausreichen, sofern sie beim tatsächlich benötigten Schweißstrom angegeben ist.
Was passiert, wenn die Einschaltdauer überschritten wird?
Bei vielen Geräten spricht der thermische Schutz an und unterbricht den Schweißbetrieb, bis die Stromquelle ausreichend abgekühlt ist. Wiederholte Überlastung kann Bauteile und Lebensdauer beeinträchtigen.
Wo findet man die Einschaltdauer eines Schweißgeräts?
Sie steht gewöhnlich auf dem Typenschild, im Datenblatt oder in der Bedienungsanleitung. Entscheidend ist die Kombination aus Prozentwert und zugehörigem Schweißstrom, beispielsweise 60 % bei 160 A.