Unterwasserschweißen gehört zu den anspruchsvollsten Spezialgebieten der Schweißtechnik. Der Schweißer arbeitet nicht allein mit Lichtbogen, Elektrode und Stahl, sondern gleichzeitig unter den Bedingungen des gewerblichen Tauchens. Druck, Strömung, eingeschränkte Sicht, niedrige Temperaturen und die elektrische Ausrüstung machen eine detaillierte Einsatzplanung unverzichtbar.
Die Arbeiten werden beispielsweise bei Reparaturen an Schiffen, Hafenanlagen, Offshore-Konstruktionen, Rohrleitungen, Schleusen, Brückenpfeilern und anderen eingetauchten Stahlbauteilen ausgeführt. Dabei wird grundsätzlich zwischen Nassschweißen und trockenem beziehungsweise hyperbarem Schweißen unterschieden.
- Beim Nassschweißen wird direkt im Wasser gearbeitet.
- Beim hyperbaren Trockenschweißen befindet sich die Schweißstelle in einer druckbeaufschlagten Kammer.
- Unterwasserschweißer benötigen Qualifikationen im gewerblichen Tauchen und im Schweißen.
- Der Einsatz erfolgt niemals als Einzelarbeit, sondern mit einem geschulten Oberflächen- und Sicherungsteam.
Wie funktioniert Unterwasserschweißen?
Auch unter Wasser kann ein elektrischer Lichtbogen Metall aufschmelzen. Beim direkten Nassschweißen entsteht um den Lichtbogen kurzzeitig eine Gasblase. Sie wird unter anderem durch die Verdampfung von Wasser und die Reaktion der Elektrodenumhüllung gebildet. Innerhalb dieses instabilen Bereichs brennt der Lichtbogen zwischen Elektrode und Werkstück.
Für diese Arbeit werden keine gewöhnlichen Werkstattelektroden eingesetzt. Benötigt werden speziell geeignete, wasserbeständig beschichtete Elektroden sowie eine für den Einsatzzweck ausgelegte Stromversorgung. Das Grundprinzip ähnelt dem E-Hand- beziehungsweise MMA-Schweißen, die Einsatzbedingungen und Sicherheitsanforderungen sind jedoch wesentlich anspruchsvoller.
Wasser führt die Wärme sehr schnell ab. Dadurch kühlt die Schweißnaht rasch ab, was bei bestimmten Stählen die Bildung harter Gefügebereiche und kalter Risse begünstigen kann. Gleichzeitig erschweren Blasen, Strömung und eingeschränkte Sicht die Kontrolle des Schmelzbads.
Nassschweißen, Trockenschweißen und hyperbares Schweißen
| Verfahren | Arbeitsbereich | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Nassschweißen | Lichtbogen und Werkstück stehen direkt mit Wasser in Kontakt | schnell einsetzbar, vergleichsweise geringe Vorbereitung, begrenzte Sicht und stärkere Abkühlung |
| Lokale Trockenkammer | nur der unmittelbare Nahtbereich wird vom Wasser getrennt | bessere Kontrolle der Schweißzone, aber technisch aufwendiger als Nassschweißen |
| Hyperbares Trockenschweißen | Schweißer und Bauteilbereich befinden sich in einer trockenen Druckkammer | kontrolliertere Bedingungen und höhere Nahtqualität, hoher logistischer und technischer Aufwand |
Die Wahl des Verfahrens hängt von Wassertiefe, Zugänglichkeit, Bauteil, geforderter Nahtqualität, Reparaturdauer und wirtschaftlichem Aufwand ab. Kritische Verbindungen werden nicht allein aufgrund der schnellsten oder günstigsten Methode ausgeführt, sondern nach einer qualifizierten Reparatur- und Schweißanweisung.
Welche Schweißtechnik wird unter Wasser eingesetzt?
Für das Nassschweißen von Stahl wird häufig manuelles Lichtbogenschweißen mit umhüllter Elektrode eingesetzt. Das Verfahren ist kompakt und lässt sich unter schwierigen Zugangsbedingungen handhaben. Elektrodentyp, Polarität, Stromstärke und Schweißfolge werden projektbezogen festgelegt.
Die Stromquelle befindet sich grundsätzlich an der Oberfläche. Der Taucher arbeitet mit geeigneten Leitungen, Elektrodenhaltern und Kommunikationsmitteln. Das Ein- und Ausschalten des Schweißstroms wird nach festgelegten Kommandos mit dem Oberflächenteam koordiniert.
Wer zunächst die Grundlagen des Verfahrens verstehen möchte, findet im Ratgeber zur Auswahl umhüllter Schweißelektroden Informationen zum konventionellen E-Hand-Schweißen an Land.
Welche Risiken bestehen beim Unterwasserschweißen?
Unterwasserschweißen kombiniert die Gefahren elektrischer Schweißarbeiten mit den Risiken des gewerblichen Tauchens. Dazu gehören insbesondere:
- elektrischer Schlag durch beschädigte oder ungeeignete Ausrüstung,
- Dekompressionskrankheit und andere druckbedingte Verletzungen,
- Ertrinken, Ausfall der Atemgasversorgung oder Verlust der Kommunikation,
- Unterkühlung und körperliche Erschöpfung,
- eingeschränkte Sicht, Strömung und bewegliche Bauteile,
- Explosionen durch angesammelte Gase in Hohlräumen,
- Schadstoffe und Verunreinigungen im Wasser,
- Risse und metallurgische Fehler durch schnelle Abkühlung.
Die Arbeit wird deshalb vor jedem Einsatz anhand einer Gefährdungsbeurteilung vorbereitet. Ein Taucheinsatzleiter, Sicherungstaucher und weitere Teammitglieder überwachen Versorgung, Kommunikation, Tauchzeit und Notfallbereitschaft. Allgemeine Grundlagen zum Schutz bei Schweißarbeiten enthält der Beitrag Arbeitsschutz und Sicherheit beim Schweißen.
Was macht ein Unterwasserschweißer?
Die Berufsbezeichnung kann täuschen: Unterwasserschweißer verbringen nicht den gesamten Arbeitstag mit dem Ziehen von Schweißnähten. Sie sind in erster Linie gewerbliche Taucher mit zusätzlichen handwerklichen und schweißtechnischen Qualifikationen.
Zu ihren möglichen Aufgaben gehören:
- Inspektion eingetauchter Konstruktionen,
- Reparatur von Schiffsrümpfen und Hafenanlagen,
- Schneiden, Schleifen und Montieren unter Wasser,
- Arbeiten an Rohrleitungen, Spundwänden und Offshore-Anlagen,
- Dokumentation von Schäden und ausgeführten Reparaturen,
- Vorbereitung von Werkzeugen, Leitungen und Tauchsystemen.
Vor dem Tauchgang werden Zeichnungen, Schweißanweisungen, Wetter, Strömung, Sichtbedingungen und mögliche Gefahren geprüft. Unter Wasser bleibt der Taucher ständig mit dem Team an der Oberfläche in Kontakt.
Wie wird man Unterwasserschweißer?
Der Weg führt üblicherweise über das gewerbliche Tauchen. Eine Freizeit-Tauchlizenz reicht nicht aus. Erforderlich sind eine anerkannte Berufstaucherqualifikation, medizinische Tauglichkeit, Schweißkenntnisse und zusätzliche Qualifikationen für das jeweilige Unterwasserschweißverfahren.
Für die Qualifikation von Schweißertauchern beim hyperbaren Nassschweißen von Stahl existieren spezielle Prüfanforderungen. Welche Nachweise im konkreten Fall verlangt werden, hängt vom Land, Arbeitgeber, Auftraggeber, Einsatzgebiet und angewendeten Regelwerk ab.
Typische Voraussetzungen sind:
- sehr gute körperliche und psychische Belastbarkeit,
- medizinische Tauglichkeit für gewerbliche Taucharbeiten,
- sichere Beherrschung der Tauch- und Notfallverfahren,
- Schweißpraxis und Werkstoffkenntnisse,
- Teamfähigkeit und präzise Kommunikation,
- regelmäßige Fortbildungen und Wiederholungsprüfungen.
Für Einsteiger in die Schweißtechnik ist zunächst eine solide Ausbildung an Land sinnvoll. Der Beitrag Schweißen lernen – Übungen für Anfänger zeigt, welche Grundlagen vor anspruchsvollen Spezialverfahren beherrscht werden sollten.
Wie viel verdient ein Unterwasserschweißer?
Eine einzelne verlässliche Gehaltszahl gibt es für diesen Beruf nicht. Einkommen hängen stark von Land, Tarifmodell, Berufserfahrung, Zertifikaten, Wassertiefe, Offshore-Einsatz, Projektlaufzeit, Gefahrenzulagen und der tatsächlich geleisteten Tauchzeit ab.
Hohe Tagessätze bei Spezialprojekten dürfen nicht mit einem dauerhaft garantierten Monats- oder Jahresgehalt gleichgesetzt werden. Viele Einsätze sind projektbezogen, saisonal oder mit längeren Reise- und Bereitschaftszeiten verbunden. Seriöse Vergleiche sollten deshalb Grundvergütung, Zulagen, Einsatzdauer, Versicherungen und arbeitsfreie Zeiten gemeinsam berücksichtigen.
Fazit
Unterwasserschweißen ist kein gewöhnliches Schweißen in ungewöhnlicher Umgebung, sondern eine eigenständige Spezialdisziplin. Nassschweißen ermöglicht schnelle Reparaturen direkt im Wasser, während hyperbares Trockenschweißen kontrolliertere Bedingungen für anspruchsvollere Verbindungen schafft.
Der Beruf verlangt eine professionelle Tauchausbildung, fundierte Schweißkenntnisse, medizinische Tauglichkeit und konsequente Teamarbeit. Herkömmliche Werkstattausrüstung ist für solche Arbeiten nicht geeignet. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte zunächst belastbare Qualifikationen im gewerblichen Tauchen und im konventionellen Schweißen erwerben.
Häufig gestellte Fragen zum Unterwasserschweißen
Was ist Unterwasserschweißen?
Unterwasserschweißen verbindet gewerbliches Tauchen mit Schweißarbeiten an eingetauchten Stahlkonstruktionen. Je nach Aufgabe wird direkt im Wasser oder in einer trockenen, druckbeaufschlagten Kammer geschweißt.
Was ist der Unterschied zwischen Nass- und Trockenschweißen unter Wasser?
Beim Nassschweißen stehen Elektrode, Lichtbogen und Werkstück unmittelbar mit dem Wasser in Kontakt. Beim trockenen beziehungsweise hyperbaren Schweißen wird der Arbeitsbereich durch eine Kammer vom Wasser getrennt.
Welches Schweißverfahren wird beim Nassschweißen eingesetzt?
Häufig wird manuelles Lichtbogenschweißen mit speziell für den Unterwassereinsatz geeigneten umhüllten Elektroden verwendet. Verfahren, Stromquelle und Elektroden müssen für den konkreten Einsatz zugelassen und qualifiziert sein.
Welche Ausbildung benötigt ein Unterwasserschweißer?
Erforderlich sind eine Qualifikation als Berufstaucher, geeignete Schweißqualifikationen, medizinische Tauglichkeit und zusätzliche einsatzbezogene Schulungen. Die konkreten Anforderungen richten sich nach Land, Arbeitgeber, Projekt und Regelwerk.
Ist Unterwasserschweißen gefährlich?
Ja. Zu den Risiken gehören elektrische Gefährdungen, Druck- und Dekompressionsprobleme, eingeschränkte Sicht, Strömung, Hypothermie, Gasansammlungen und mechanische Gefahren. Die Arbeit wird deshalb durch ein Oberflächenteam geplant, überwacht und abgesichert.