Die Wolframelektrode beeinflusst beim WIG-Schweißen die Zündfähigkeit, Lichtbogenstabilität, Strombelastbarkeit und Form des Lichtbogens. Farbe, Dotierung und Durchmesser sollten deshalb nicht nach Gewohnheit, sondern passend zu Stromart, Werkstoff und Schweißgerät gewählt werden.
Für moderne Inverter sind lanthanierte Elektroden häufig besonders vielseitig. Reine, zirkonierte, ceriierte, thorierte und Mischoxid-Elektroden haben dennoch eigene Einsatzbereiche. Dieser Ratgeber zeigt die wichtigsten Farbkennzeichnungen und erklärt, welche Elektrode sich für Stahl, Edelstahl und Aluminium eignet.
- Stahl und Edelstahl, WIG DC: häufig WL15, WL20 oder WC20.
- Aluminium, WIG AC: häufig WL15 oder WL20; je nach Gerät auch WP oder WZ.
- Niedrige Ströme und Feinarbeiten: ceriierte oder lanthanierte Elektroden.
- Thorierte Elektroden: technisch leistungsfähig, wegen Radioaktivität und Schleifstaub jedoch zunehmend ersetzt.
Welche Aufgabe hat die Wolframelektrode beim WIG-Schweißen?
Beim WIG-Verfahren führt die Wolframelektrode den Schweißstrom zum Lichtbogen. Sie ist nicht als abschmelzender Zusatzwerkstoff vorgesehen. Ihre Zusammensetzung und Spitzenform beeinflussen, wie zuverlässig der Lichtbogen zündet, wie stabil er brennt und wie stark er gebündelt wird.
Dotierungen mit Lanthan-, Cer-, Zirkon- oder Thoriumoxid verändern unter anderem Elektronenaustritt, Temperaturbeständigkeit und Verschleißverhalten. Die Elektrode muss außerdem zur Polarität passen: Stahl und Edelstahl werden meist mit WIG DC und negativ gepolter Elektrode geschweißt, Aluminium überwiegend mit WIG AC.
Passende Stromquellen finden Sie in den Kategorien WIG-DC-Schweißgeräte und WIG-AC/DC-Schweißgeräte.
WIG-Elektroden: Farben, Zusammensetzung und Verwendung
| Kennzeichnung | Farbe | Zusammensetzung | Typischer Einsatz | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| WP | Grün | reines Wolfram | klassische AC-Anwendungen, besonders Aluminium und Magnesium | bei vielen modernen Invertern weniger günstig; Gerätehersteller beachten |
| WL15 | Gold | ca. 1,5 % Lanthanoxid | WIG DC und je nach Gerät WIG AC | gute Zündung und vielseitige Verwendung |
| WL20 | Blau | ca. 2,0 % Lanthanoxid | Stahl, Edelstahl, Aluminium und weitere Werkstoffe | beliebte universelle Elektrode für moderne Inverter |
| WC20 | Grau | ca. 2,0 % Ceroxid | niedrige bis mittlere Ströme, dünne Bleche und präzise Arbeiten | gutes Zündverhalten bei niedrigen Strömen |
| WZ08 | Weiß | ca. 0,8 % Zirkonoxid | WIG AC, insbesondere Aluminium und Magnesium | geringe Neigung zur Verunreinigung des Schmelzbads |
| WT20 | Rot | ca. 2,0 % Thoriumoxid | traditionell WIG DC für Stahl, Edelstahl, Nickel und Kupfer | radioaktiv; Schleifen nur mit wirksamer Stauberfassung |
| Mischoxid / seltene Erden | Violett | herstellerspezifische Mischoxide | universelle DC- und AC-Anwendungen | exakte Zusammensetzung und Kennzeichnung im Datenblatt prüfen |
Welche WIG-Elektrode eignet sich für welchen Werkstoff?
Stahl und Edelstahl
Für unlegierten Stahl und Edelstahl werden meist lanthanierte oder ceriierte Elektroden mit WIG DC verwendet. WL15 und WL20 sind wegen ihrer guten Zündfähigkeit und Strombelastbarkeit weit verbreitet. WC20 ist besonders bei niedrigeren Strömen und präzisen Arbeiten interessant.
Thorierte WT20-Elektroden liefern technisch stabile Ergebnisse, werden jedoch wegen der radioaktiven Dotierung zunehmend durch lanthanierte oder ceriierte Alternativen ersetzt. Besonders beim Anschleifen muss eine Exposition gegenüber Schleifstaub vermieden werden.
Aluminium und Magnesium
Aluminium und Magnesium werden überwiegend mit Wechselstrom geschweißt. Bei modernen Invertergeräten werden häufig WL15- oder WL20-Elektroden verwendet, weil sie eine kontrollierte Spitzenform und einen stabilen Lichtbogen ermöglichen.
Reine WP-Elektroden und WZ-Elektroden bleiben für bestimmte AC-Anwendungen relevant. Ob sie geeignet sind, hängt jedoch stark von Stromquelle, Wellenform und AC-Balance ab. Einige moderne Gerätehersteller raten bei bestimmten Stromquellen ausdrücklich von reinen grünen Elektroden ab.
Weitere Hinweise enthält der Ratgeber Aluminium mit WIG AC/DC schweißen.
Kupfer, Titan und Nickellegierungen
Für diese Werkstoffe kommen häufig lanthanierte oder ceriierte Elektroden mit Gleichstrom zum Einsatz. Die Auswahl richtet sich nach Stromstärke, Materialdicke und den Vorgaben der Schweißanweisung.
Welchen Durchmesser sollte eine WIG-Elektrode haben?
Der Elektrodendurchmesser muss zur Stromstärke passen. Ein zu kleiner Durchmesser kann überhitzen, während eine zu große Elektrode bei niedrigen Strömen schlechter zünden und einen weniger konzentrierten Lichtbogen erzeugen kann.
| Durchmesser | Typischer Einsatzbereich | Praxisbeispiel |
|---|---|---|
| 1,0 mm | sehr niedrige Ströme | Feinarbeiten und sehr dünne Bleche |
| 1,6 mm | niedrige bis mittlere Ströme | dünne Bleche, Rohre und kleinere Werkstattarbeiten |
| 2,4 mm | mittlere bis höhere Ströme | universelle Werkstattanwendungen |
| 3,2 mm | hohe Ströme | dickere Bauteile und längere Belastung |
| 4,0 mm | sehr hohe Ströme | industrielle Hochstromanwendungen |
Starre Amperebereiche sind nur eingeschränkt hilfreich. Die zulässige Belastung hängt zusätzlich von Dotierung, Polarität, AC-Balance, Spitzenform, Brennerkühlung und Gerät ab. Deshalb sollten die Angaben des Elektroden- und Geräteherstellers Vorrang haben.
Wie Stromstärke und Elektrode zusammenwirken, erklärt der Beitrag WIG-Schweißen richtig einstellen.
Wolframelektrode richtig anschleifen
Beim WIG-DC-Schweißen wird die Elektrode meist längs zur Achse angeschliffen. Längsriefen unterstützen einen stabilen, geradlinigen Lichtbogen. Querriefen können den Lichtbogen seitlich ablenken.
- nur eine saubere, ausschließlich für Wolfram verwendete Schleifscheibe einsetzen,
- Elektrode in Längsrichtung schleifen,
- Spitzenwinkel an Stromstärke und gewünschte Lichtbogenform anpassen,
- Schleifstaub wirksam absaugen,
- bei thorierten Elektroden besondere Schutzmaßnahmen einhalten.
Eine ausführliche Anleitung finden Sie unter WIG-Elektroden richtig anschleifen.
Welche Elektrode ist die beste Wahl?
Für viele Anwender moderner WIG-Inverter sind WL15 und WL20 die praktischsten Allrounder. Sie decken zahlreiche DC- und AC-Anwendungen ab und vermeiden die radioaktive Dotierung thorierter Elektroden.
Die optimale Auswahl hängt dennoch vom konkreten Gerät ab. Prüfen Sie deshalb Stromart, Werkstoff, Strombereich und Herstellerempfehlung. Passende WIG-Schweißgeräte sowie Zubehör sollten als abgestimmtes System betrachtet werden.
Häufig gestellte Fragen zu WIG-Elektroden
Welche Wolframelektrode ist für WIG AC/DC am universellsten?
Für viele moderne Inverter sind lanthanierte Elektroden wie WL15 oder WL20 eine vielseitige Wahl. Sie eignen sich je nach Herstellerfreigabe für Gleich- und Wechselstrom. Die endgültige Auswahl richtet sich nach Werkstoff, Stromart, Strombereich und Gerät.
Welche Elektrode eignet sich für Aluminium?
Für Aluminium werden beim WIG-AC-Schweißen häufig lanthanierte Elektroden eingesetzt. Reine Wolframelektroden und zirkonierte Elektroden sind ebenfalls für bestimmte AC-Anwendungen gebräuchlich, müssen aber zur Stromquelle und zur gewünschten Spitzenform passen.
Welche Wolframelektrode verwendet man für Edelstahl?
Für Edelstahl mit WIG DC werden häufig lanthanierte oder ceriierte Elektroden verwendet. Thorierte Elektroden funktionieren technisch ebenfalls gut, werden wegen ihrer Radioaktivität und des Schleifstaubs jedoch zunehmend ersetzt.
Was bedeuten die Farben bei WIG-Elektroden?
Die Farbe kennzeichnet die Zusammensetzung beziehungsweise Dotierung der Wolframelektrode. Sie hilft, reine, lanthanierte, ceriierte, zirkonierte, thorierte und Mischoxid-Elektroden voneinander zu unterscheiden.
Welche Elektrodengröße passt zu welcher Stromstärke?
Der zulässige Strombereich hängt nicht nur vom Durchmesser ab, sondern auch von Elektrodenwerkstoff, Polarität, AC-Balance, Spitzenform und Kühlung. Die Herstellerangaben sind deshalb wichtiger als pauschale Tabellenwerte.