Aluminium stellt beim WIG-Schweißen deutlich höhere Anforderungen an die Stromquelle als Baustahl oder Edelstahl. Der Werkstoff leitet Wärme sehr schnell ab, besitzt einen niedrigen Schmelzpunkt und ist gleichzeitig von einer hochschmelzenden Oxidschicht bedeckt. Deshalb entscheidet die Wahl des richtigen Geräts unmittelbar darüber, ob sich der Lichtbogen sauber führen lässt und ob eine gleichmäßige, porenarme Schweißnaht entsteht.
Für die meisten Aluminiumarbeiten ist ein modernes WIG-AC/DC-Schweißgerät die richtige Wahl. Neben dem maximalen Schweißstrom sind vor allem AC-Frequenz, AC-Balance, Pulsfunktion, Zündart, Einschaltdauer und Brennerausstattung relevant. Dieser Ratgeber zeigt, welche Funktionen tatsächlich wichtig sind und worauf beim Kauf geachtet werden sollte.
- Für Aluminium ist AC/DC entscheidend: Wechselstrom unterstützt die Reinigungswirkung an der Oxidschicht.
- 180–220 A sind für viele Werkstattaufgaben ausreichend: Bei dickeren Bauteilen zählen zusätzlich Einschaltdauer und Brennerkühlung.
- AC-Frequenz, AC-Balance und HF-Zündung sind wichtiger als reine Marketingfunktionen: Sie beeinflussen Lichtbogen, Nahtbreite und Bedienkomfort direkt.
Warum braucht man für Aluminium ein WIG-AC/DC-Schweißgerät?
Beim WIG-Schweißen brennt der Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück. Das Schweißbad wird durch ein inertes Schutzgas – meist Argon – vor der Atmosphäre geschützt. Zusatzwerkstoff wird bei Bedarf separat von Hand zugeführt.
Aluminium ist von einer Oxidschicht bedeckt, deren Schmelztemperatur deutlich höher liegt als die des Grundmaterials. Das darunterliegende Aluminium kann deshalb bereits flüssig werden, während die Oxidschicht noch fest bleibt. Wechselstrom hilft dabei, diese Schicht während des Schweißens aufzubrechen.
Im AC-Betrieb wechseln sich zwei Polaritätsanteile ab:
- Elektrode negativ (EN): sorgt überwiegend für Einbrand und konzentriert einen größeren Teil der Wärme im Werkstück.
- Elektrode positiv (EP): unterstützt die kathodische Reinigungswirkung an der Aluminiumoxid-Schicht, belastet die Wolframelektrode jedoch thermisch stärker.
Ein reines WIG-DC-Gerät eignet sich hervorragend für Stahl, Edelstahl, Kupfer und viele andere Werkstoffe, ist aber für das klassische WIG-Schweißen von Aluminium in der Werkstatt nicht die passende Lösung. Einen breiteren Überblick bietet der Beitrag Aluminium mit WIG und MIG/MAG schweißen.
Welche Stromstärke sollte das WIG-Schweißgerät haben?
Der notwendige Schweißstrom hängt von Materialstärke, Legierung, Nahtform, Vorwärmung und Wärmeableitung ab. Als grobe Werkstattregel kann bei Aluminium häufig mit etwa 35 bis 45 A pro Millimeter Materialstärke begonnen werden. Diese Faustformel ersetzt keine Probenaht, bietet aber einen sinnvollen Ausgangspunkt.
| Materialstärke | Typischer Ausgangsbereich | Hinweis |
|---|---|---|
| 1,0 mm | 35–50 A | Fußpedal oder Puls erleichtert die Wärmekontrolle. |
| 2,0 mm | 70–100 A | Saubere Oberfläche und kurze Lichtbogenlänge sind entscheidend. |
| 3,0 mm | 110–140 A | Gute Wahl für Geräte der 200-A-Klasse. |
| 5,0 mm | 170–220 A | Vorwärmen und wassergekühlter Brenner können sinnvoll sein. |
Für Hobby, Reparatur und allgemeine Werkstattarbeiten ist ein Gerät mit 180 bis 220 A meist vielseitig. Wer regelmäßig dickere Bauteile schweißt, sollte neben dem Maximalstrom vor allem die Einschaltdauer bei hohen Strömen prüfen.
AC-Frequenz – wie stark wird der Lichtbogen gebündelt?
Die AC-Frequenz gibt an, wie oft der Wechsel zwischen positiver und negativer Polarität pro Sekunde erfolgt. Bei modernen Invertergeräten ist sie häufig einstellbar.
Eine höhere AC-Frequenz bündelt den Lichtbogen stärker. Dadurch lässt er sich präziser führen, und schmale Nähte sowie Ecken werden leichter beherrschbar. Eine niedrigere Frequenz erzeugt meist einen breiteren und weicheren Lichtbogen, der bei größeren Schweißbädern nützlich sein kann.
Ein praxisnaher Startwert liegt häufig zwischen 80 und 120 Hz. Die Aussage, dass eine höhere Frequenz grundsätzlich immer eine bessere Nahtqualität liefert, wäre jedoch falsch. Entscheidend ist die passende Abstimmung auf Materialstärke, Nahtgeometrie und Schweißgeschwindigkeit.
AC-Balance – Reinigungswirkung und Einbrand ausbalancieren
Die AC-Balance bestimmt das Verhältnis zwischen EN- und EP-Anteil des Wechselstroms. Je nach Hersteller kann die Skala unterschiedlich dargestellt werden. Manche Geräte zeigen den EN-Anteil, andere den EP- beziehungsweise Reinigungsanteil. Deshalb muss vor der Einstellung die Bedienungsanleitung geprüft werden.
Mehr EP-Anteil bedeutet stärkere Reinigungswirkung, aber auch höhere Belastung der Wolframelektrode und meist geringeren Einbrand. Mehr EN-Anteil verbessert Einbrand und Effizienz, setzt jedoch eine sauber vorbereitete Oberfläche voraus.
Für sauberes Aluminium wird üblicherweise nur so viel Reinigungsanteil eingestellt, wie für einen stabilen Prozess notwendig ist. Eine übermäßig breite, helle Reinigungszone neben der Naht kann auf zu viel EP-Anteil hinweisen.
Welche WIG-Parameter sollte das Gerät bieten?
Ein gutes AC/DC-Gerät sollte nicht nur Strom und AC-Balance regeln. Eine vollständige Ablaufsteuerung ermöglicht eine deutlich kontrolliertere Naht:
- Vorgaszeit: Schutzgas strömt vor der Zündung und verdrängt Luft aus dem Brennerbereich.
- Startstrom: definiert den Stromwert unmittelbar nach der Zündung.
- Stromanstiegszeit: bestimmt, wie schnell der Strom auf den Hauptwert steigt.
- Hauptstrom: eigentlicher Schweißstrom.
- Stromabsenkzeit: verhindert einen abrupten Abbruch am Nahtende.
- Endstrom: hilft beim kontrollierten Füllen des Endkraters.
- Nachgaszeit: schützt Wolframelektrode und heiße Naht nach dem Erlöschen des Lichtbogens.
Diese Parameter werden im deutschen Sprachgebrauch besser als Schweißablauf, Stromverlauf oder Ablaufsteuerung bezeichnet. Der aus dem Polnischen übertragene Ausdruck „WIG-Leiter“ ist nicht üblich und wurde deshalb entfernt.
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| MAGNUM THF 335P W8 V2 WIG AC/DC MMA Schweißgerät | SKANDI KRAFT iTECH WIG 220 AC/DC WIG-Schweißgerät |
Wann ist WIG-Puls beim Aluminiumschweißen sinnvoll?
Beim Pulsschweißen wechselt der Strom zwischen Pulsstrom und Grundstrom. Dadurch lässt sich der mittlere Wärmeeintrag reduzieren, ohne den Lichtbogen in der Pulsphase zu schwächen.
Puls ist besonders hilfreich bei:
- dünnen Aluminiumblechen,
- Bauteilen mit unterschiedlich starken Wandungen,
- Nahtpositionen mit schwieriger Schmelzbadkontrolle,
- sichtbaren Nähten mit gleichmäßigem Schuppenbild.
Wichtige Parameter sind Pulsstrom, Grundstrom, Pulsfrequenz und Pulsbreite. Puls ersetzt jedoch keine korrekte AC-Balance, saubere Materialvorbereitung oder passende Brennerführung. Mehr dazu erklärt der Ratgeber Puls-Schweißen im MIG/MAG- und WIG-Verfahren.
Lichtbogenzündung: HF, Lift oder Scratch?
Für anspruchsvolles WIG-Schweißen von Aluminium ist HF-Zündung die beste Wahl. Der Lichtbogen wird berührungslos gezündet, wodurch die Wolframelektrode das Werkstück nicht berühren muss. Das reduziert Wolframeinschlüsse und erleichtert saubere Nahtanfänge.
- HF-Zündung: berührungslos, komfortabel und für Aluminium klar zu bevorzugen.
- Lift-WIG: Elektrode wird kurz aufgesetzt und anschließend angehoben; besser als Scratch, aber weniger komfortabel als HF.
- Scratch-Start: Zündung durch Anstreichen; für saubere, präzise Aluminiumarbeiten ungeeignet.
Brenner, Kühlung, Gas und Zubehör
Zur Grundausstattung gehören WIG-Brenner, Masseleitung, Druckminderer, Gasflasche und geeignete Wolframelektroden. Die Gasflasche kühlt den Brenner nicht. Ihre Aufgabe besteht ausschließlich darin, Schutzgas bereitzustellen. Gekühlt wird der Brenner entweder durch die Umgebungsluft oder über einen separaten Flüssigkeitskühler.
Für moderate Ströme genügt häufig ein luftgekühlter Brenner. Bei längeren Schweißzeiten und hohen Strömen ist ein wassergekühlter Brenner komfortabler und thermisch belastbarer.
Als Schutzgas wird überwiegend reines Argon verwendet. Helium oder Argon-Helium-Gemische können den Wärmeeintrag erhöhen, sind aber kostenintensiver. Bei Wolframelektroden sollte nicht pauschal eine einzige Farbe empfohlen werden. Die passende Variante hängt von Gerät, Strombereich und Herstellervorgaben ab. Eine Auswahlhilfe bietet der Beitrag WIG-Elektroden: Farben und Auswahl.
Wer Gerät, Brenner, Druckminderer und weiteres Zubehör zusammen benötigt, kann auch geprüfte WIG-AC/DC-Komplettsets vergleichen.
WIG-AC/DC-Schweißgerät für Aluminium auswählen
Vergleichen Sie Geräte mit einstellbarer AC-Frequenz, AC-Balance, HF-Zündung, Pulsfunktion und vollständiger Ablaufsteuerung.
Zusammenfassung
Für Aluminium ist ein WIG-AC/DC-Schweißgerät mit ausreichend Stromreserve, einstellbarer AC-Frequenz und AC-Balance die technisch sinnvolle Wahl. HF-Zündung, Pulsfunktion und eine vollständige Ablaufsteuerung erhöhen die Kontrolle, sind aber nur dann wirksam, wenn Oberfläche, Schutzgas, Elektrode und Brennerführung ebenfalls stimmen.
Für typische Werkstattarbeiten bietet die 200-A-Klasse ein gutes Verhältnis aus Leistung, Mobilität und Preis. Wer regelmäßig dickes Aluminium oder lange Nähte schweißt, sollte stärker auf Einschaltdauer, Netzversorgung und wassergekühlte Brenner achten. Eine ausführliche Praxiserklärung zum eigentlichen Prozess finden Sie im Beitrag Aluminium mit WIG AC/DC schweißen – Einstellungen und Technik.
Häufig gestellte Fragen zur Wahl eines WIG-Schweißgeräts für Aluminium
Welches WIG-Schweißgerät eignet sich für Aluminium?
Für Aluminium wird in der Regel ein WIG-AC/DC-Schweißgerät benötigt. Der Wechselstromanteil hilft dabei, die Oxidschicht auf der Oberfläche aufzubrechen, während der negative Anteil für Einbrand und Wärmeeintrag sorgt. Ein reines WIG-DC-Gerät ist für das klassische WIG-Schweißen von Aluminium nicht geeignet.
Wie viel Ampere sollte ein WIG-Schweißgerät für Aluminium haben?
Für typische Werkstattarbeiten sind Geräte mit etwa 180 bis 220 A sehr vielseitig. Der tatsächliche Strombedarf hängt von Materialstärke, Nahtform, Wärmeableitung und Vorbereitung ab. Als grober Ausgangspunkt werden häufig etwa 35 bis 45 A pro Millimeter Aluminium verwendet, anschließend wird am Werkstück fein angepasst.
Welche AC-Frequenz eignet sich zum WIG-Schweißen von Aluminium?
Ein praxisnaher Ausgangsbereich liegt häufig zwischen 80 und 120 Hz. Eine höhere AC-Frequenz bündelt den Lichtbogen stärker und ermöglicht schmalere Nähte. Niedrigere Frequenzen erzeugen meist einen breiteren, weicheren Lichtbogen. Der optimale Wert hängt von Materialstärke und Nahtgeometrie ab.
Welche Wolframelektrode verwendet man für Aluminium?
Bei modernen Invertergeräten werden häufig lanthanierte oder zirkonierte Wolframelektroden verwendet. Welche Elektrode, welcher Durchmesser und welche Spitzenform geeignet sind, hängt vom Gerät, dem AC-Betrieb und dem Schweißstrom ab. Maßgeblich sind die Herstellerangaben.
Braucht man beim WIG-Schweißen von Aluminium reines Argon?
Für die meisten Anwendungen wird reines Argon verwendet. Argon ermöglicht eine stabile Lichtbogenzündung und gute Schutzwirkung. Helium oder Argon-Helium-Gemische können bei dickeren Werkstücken den Wärmeeintrag erhöhen, sind jedoch teurer und schwieriger zu beherrschen.

