MIG/MAG gehört zu den wichtigsten Schweißverfahren in Werkstatt, Industrie und Reparatur. Ein kontinuierlich geförderter Draht dient gleichzeitig als Elektrode und Zusatzwerkstoff. Das Schutzgas stabilisiert den Prozess und schützt das flüssige Schmelzbad vor Sauerstoff und Stickstoff aus der Umgebungsluft.
Gute Ergebnisse entstehen nicht durch einen einzelnen „richtigen“ Wert. Drahtvorschub, Spannung, Gas, Drahtdurchmesser, freier Drahtauslauf, Brennerwinkel und Schweißgeschwindigkeit müssen zusammenpassen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie ein MIG/MAG-Schweißgerät systematisch vorbereiten und einstellen.
- Draht: häufig 0,8 mm Massivdraht.
- Gas: argonbasierte MAG-Mischung passend zum Draht.
- Polarität: bei Massivdraht meist Brenner an Plus.
- Gasdurchfluss: häufig etwa 10–14 l/min als Ausgangspunkt.
- Technik: gleichmäßiger Abstand und ruhige Brennerführung.
Wie funktioniert das MIG/MAG-Schweißen?
Beim Schweißen wird der Draht aus einer Spule über Vorschubrollen durch den Brenner geführt. Sobald der Brennertaster betätigt wird, fließen Schutzgas und Schweißstrom, der Draht wird vorgeschoben und der Lichtbogen entsteht.
Der Draht schmilzt im Lichtbogen ab und verbindet sich mit dem aufgeschmolzenen Grundwerkstoff. Hinter dem Brenner erstarrt das Schmelzbad zur Schweißnaht.
- MIG: inertes Schutzgas, typischerweise für Aluminium, Kupfer und andere Nichteisenmetalle.
- MAG: aktives Schutzgas, vor allem für un- und niedriglegierte Stähle.
Das Schutzgas dient primär dem Schutz von Lichtbogen und Schmelzbad. Die Kühlung des Brenners erfolgt je nach System durch Umgebungsluft oder einen separaten Flüssigkeitskreislauf.
MIG/MAG-Schweißgerät und Werkstück vorbereiten
- Werkstoff bestimmen: Stahl, Edelstahl, Aluminium oder anderer Werkstoff.
- Oberfläche reinigen: Rost, Öl, Farbe, Zunder und Feuchtigkeit entfernen.
- Draht und Gas auswählen: passend zu Werkstoff und Aufgabe.
- Vorschubrollen prüfen: Profil und Anpressdruck müssen zum Draht passen.
- Kontaktspitze kontrollieren: richtige Bohrung und geringer Verschleiß.
- Polarität einstellen: nach Vorgabe des Drahtproduzenten.
- Masse sicher anschließen: auf blankem, leitfähigem Material.
- Probenaht anlegen: Einstellungen nicht direkt am fertigen Bauteil testen.
Beim Schweißen von Aluminium sind eine geeignete Drahtführung, passende Vorschubrollen und häufig ein kurzer Brenner oder ein Spool Gun besonders wichtig. Weiterführende Grundlagen enthält der Beitrag Aluminium mit WIG und MIG/MAG schweißen.
Drahtvorschub, Spannung und Polarität einstellen
Drahtvorschub
Der Drahtvorschub beeinflusst bei einer Konstantspannungsquelle wesentlich den Schweißstrom und die Abschmelzleistung. Ist er zu hoch, stößt der Draht in das Schmelzbad und drückt den Brenner zurück. Ist er zu niedrig, kann der Lichtbogen lang und unruhig werden oder der Draht zur Kontaktspitze zurückbrennen.
Spannung
Die Spannung beeinflusst vor allem Lichtbogenlänge und Nahtform. Eine höhere Spannung verlängert den Lichtbogen und verbreitert tendenziell die Naht. Eine zu hohe Spannung kann Spritzer, Poren oder Randkerben fördern. Eine zu niedrige Spannung führt häufig zu einem kurzen, harten und instabilen Lichtbogen.
Stromstärke
Bei MIG/MAG wird die Stromstärke nicht vollständig unabhängig eingestellt. Sie ergibt sich wesentlich aus Drahtvorschub, Drahtdurchmesser, freiem Drahtauslauf und Lichtbogenbedingungen. Bei synergischen Geräten werden diese Werte über gespeicherte Kennlinien gekoppelt.
Wie solche Kennlinien arbeiten, zeigt sich besonders bei modernen synergischen MIG/MAG-Schweißgeräten, die Drahtvorschub, Spannung und weitere Parameter über gespeicherte Programme aufeinander abstimmen.
Polarität
Massivdraht wird in vielen MIG/MAG-Anwendungen mit dem Brenner am Pluspol verwendet. Bei selbstschützendem Fülldraht ist häufig die umgekehrte Polarität erforderlich. Die verbindliche Vorgabe steht auf der Drahtverpackung beziehungsweise im Datenblatt.
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|---|---|
| Magnum MIG 224 S-DP MIG/MAG | Ideal TECNO MIG 211 S-PULSE ALU SYNERGIC |
Welche Drahtart und welcher Drahtdurchmesser?
| Draht | Typische Anwendung | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|
| 0,6 mm | sehr dünne Bleche und geringe Stromstärken | empfindlicher Vorschub, passende Kontaktspitze erforderlich |
| 0,8 mm | allgemeine Werkstattarbeiten und dünnere bis mittlere Bleche | häufige Universalgröße für 230-V-Geräte |
| 1,0 mm | mittlere Materialstärken und höhere Abschmelzleistung | größerer Strombereich erforderlich |
| 1,2 mm | stärkere Bauteile und produktive Anwendungen | geeigneter Vorschub und ausreichende Einschaltdauer nötig |
Die Drahtwahl darf nicht allein anhand der Blechdicke erfolgen. Entscheidend sind auch Stromquelle, Vorschubsystem, Schweißposition, Werkstoff und gewünschter Tropfenübergang.
Welches Schutzgas und welcher Gasdurchfluss?
| Werkstoff | Typischer Prozess | Typische Gasgruppe |
|---|---|---|
| Unlegierter Stahl | MAG | argonbasierte Aktivgasmischung oder CO₂ |
| Edelstahl | MAG/MIG je nach Anwendung | argonreiche Mischung mit geringem Aktivgasanteil |
| Aluminium | MIG | Argon oder geeignete Argon-Helium-Mischung |
| Kupferlegierungen | MIG oder MIG-Löten | meist Argon |
Ein pauschaler Gaswert passt nicht zu jeder Düse und Umgebung. Häufig sind etwa 10 bis 14 l/min ein brauchbarer Ausgangspunkt für manuelle Werkstattarbeiten. Bei größerer Gasdüse, hohem Strom oder Zugluft kann mehr erforderlich sein.
Zu viel Gas ist ebenfalls problematisch: Turbulenzen können Umgebungsluft in den Gasstrom ziehen. Gasdurchfluss deshalb am Rotameter einstellen und Undichtigkeiten regelmäßig prüfen.
Freier Drahtauslauf, Brennerwinkel und Schweißbewegung
Freier Drahtauslauf
Der freie Drahtauslauf ist die Länge zwischen Kontaktspitze und Drahtende. Wird er zu lang, steigt der elektrische Widerstand im Draht, der Lichtbogen kann instabil werden und der Einbrand sinkt. Bei zu kurzem Auslauf steigt das Risiko, dass Spritzer die Kontaktspitze beschädigen.
Brennerwinkel
Für viele Kehlnähte und Stumpfnähte ist ein Arbeitswinkel passend zur Fuge und ein leichter Schiebewinkel von ungefähr 5 bis 15 Grad ein sinnvoller Ausgangspunkt. Der tatsächliche Winkel hängt von Nahtart, Position und gewünschtem Einbrand ab.
Schweißgeschwindigkeit
Zu langsames Schweißen erhöht Wärmeeintrag und Nahtvolumen. Zu schnelles Schweißen kann Bindefehler, schmale Nähte und unzureichende Flankenbenetzung verursachen. Beobachten Sie deshalb Vorderkante und Breite des Schmelzbads, nicht nur den Lichtbogen.
Welche Arten des Tropfenübergangs gibt es?
- Kurzlichtbogen: der Draht berührt periodisch das Schmelzbad; gut für dünnere Bleche und geringeren Wärmeeintrag.
- Übergangslichtbogen: unregelmäßiger Mischbereich mit stärkerer Spritzerbildung; wird nach Möglichkeit vermieden.
- Sprühlichtbogen: feine Tropfen ohne regelmäßige Kurzschlüsse; hohe Abschmelzleistung, meist für dickere Bauteile und geeignete Gasgemische.
- Impulslichtbogen: kontrollierte Tropfenablösung durch Stromimpulse; ermöglicht spritzerarmes Schweißen bei geringerem mittlerem Wärmeeintrag.
Mehr zum Impulsprozess finden Sie unter Impulsschweißen mit MIG/MAG und WIG.
Typische Fehler beim MIG/MAG-Schweißen
| Fehlerbild | Mögliche Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| starke Spritzer | Spannung und Drahtvorschub passen nicht zusammen | Kennlinie korrigieren, Gas und Polarität prüfen |
| Poren | zu wenig Gas, Zugluft oder verschmutzte Oberfläche | Gasabdeckung und Reinigung verbessern |
| Draht drückt den Brenner zurück | Drahtvorschub zu hoch oder Spannung zu niedrig | Drahtvorschub reduzieren oder Spannung anpassen |
| Draht brennt zur Kontaktspitze zurück | Drahtvorschub zu niedrig oder Kontaktproblem | Vorschub und Burn-Back prüfen |
| mangelnder Einbrand | zu geringe Leistung, zu schnelles Schweißen oder langer Auslauf | Parameter und Brennerabstand korrigieren |
| Randkerben | zu hohe Spannung, falscher Winkel oder zu hohe Geschwindigkeit | Lichtbogen verkürzen und Brennerführung korrigieren |
Eine ausführliche Fehleranalyse enthält der Ratgeber MIG/MAG-Schweißen ohne Spritzer.
Welche MIG/MAG-Schweißmaschine eignet sich für den Einstieg?
Für Werkstatt und Hobby sollte ein Gerät einen stabilen Drahtvorschub, eine niedrige Mindestleistung, gut verfügbare Verschleißteile und nachvollziehbare Einstellmöglichkeiten bieten. Synergie erleichtert den Einstieg, sollte aber manuelle Korrekturen zulassen.
Wichtige Kaufkriterien:
- niedrigster und maximaler Schweißstrom,
- unterstützte Drahtdurchmesser,
- Spulengröße und Vorschubrollen,
- Polaritätswechsel für Fülldraht,
- Synergie, Puls und Doppel-Puls, falls benötigt,
- Einschaltdauer bei praxisrelevanter Stromstärke,
- Euro-Zentralanschluss und Ersatzteilversorgung.
Fazit
MIG/MAG lässt sich systematisch einstellen, wenn die Parameter nicht isoliert betrachtet werden. Zuerst werden Werkstoff, Draht, Gas und Polarität festgelegt. Danach werden Drahtvorschub und Spannung aufeinander abgestimmt und durch Brennerabstand, Winkel und Schweißgeschwindigkeit ergänzt.
Eine Probenaht ist unverzichtbar. Erst wenn Lichtbogen, Nahtform, Einbrand und Spritzerbild stimmen, sollten die Einstellungen auf das eigentliche Bauteil übertragen werden.
Häufig gestellte Fragen zum MIG/MAG-Schweißen
Wie funktioniert das MIG/MAG-Schweißen?
Beim MIG/MAG-Schweißen wird ein Drahtelektrode kontinuierlich durch den Brenner gefördert. Der Lichtbogen schmilzt Draht und Grundwerkstoff auf, während ein Schutzgas das Schmelzbad vor der Umgebungsluft schützt.
Welche Einstellungen sind beim MIG/MAG-Schweißen wichtig?
Wesentlich sind Drahtvorschub, Spannung, Schutzgas, Gasdurchfluss, Drahtdurchmesser, Polarität, freier Drahtauslauf, Brennerwinkel und Schweißgeschwindigkeit. Diese Größen beeinflussen sich gegenseitig.
Welche Drahtstärke eignet sich für Anfänger?
Für viele Werkstattarbeiten an dünnerem Stahl ist 0,8 mm Massivdraht ein verbreiteter Ausgangspunkt. Die richtige Wahl hängt jedoch von Material, Bauteildicke, Strombereich und Drahtvorschub des Geräts ab.
Wie viel Schutzgas wird beim MIG/MAG-Schweißen benötigt?
Der erforderliche Gasdurchfluss hängt von Düsengröße, Brennerabstand, Zugluft, Gasart und Schweißstrom ab. Als Ausgangswert werden häufig etwa 10 bis 14 Liter pro Minute verwendet, anschließend wird anhand der Nahtqualität angepasst.
Warum spritzt ein MIG/MAG-Schweißgerät stark?
Häufige Ursachen sind eine unpassende Kombination aus Drahtvorschub und Spannung, falsche Polarität, verschmutztes Material, ungeeignetes Gas, zu langer Lichtbogen oder ein falscher freier Drahtauslauf.

