Synergisches MIG/MAG-Schweißen vereinfacht die Einstellung einer Schweißmaschine, indem mehrere miteinander verbundene Parameter automatisch aufeinander abgestimmt werden. Der Anwender wählt beispielsweise Werkstoff, Drahtdurchmesser und Schutzgas aus. Anschließend wird meist nur noch ein Leitparameter wie Materialdicke, Stromstärke oder Drahtvorschub verändert.
Die Synergie ist jedoch kein vollautomatischer Ersatz für Fachwissen. Sie liefert eine passende Grundeinstellung, die je nach Nahtform, Schweißposition, Werkstücktemperatur und Brennerführung korrigiert werden muss. Entscheidend ist deshalb, wie umfangreich die Programme eines Geräts sind und welche manuellen Korrekturen möglich bleiben.
- Synergie: mehrere Schweißparameter werden gemeinsam geregelt.
- Leitparameter: häufig Materialdicke, Stromstärke oder Drahtvorschub.
- Korrektur: Spannung beziehungsweise Lichtbogenlänge bleibt meist anpassbar.
- Wichtig: Synergieprogramme müssen zu Draht, Gas und Werkstoff passen.
Welche Parameter beeinflussen das MIG/MAG-Schweißen?
Beim MIG/MAG-Schweißen wirken mehrere Parameter gleichzeitig zusammen. Eine Änderung an einer Stelle beeinflusst meist auch Lichtbogen, Einbrand, Nahtbreite und Spritzerbildung.
| Parameter | Einfluss auf den Prozess | Typische Folge einer falschen Einstellung |
|---|---|---|
| Drahtvorschub | beeinflusst Stromstärke und Abschmelzleistung | stotternder Lichtbogen oder Zurückbrennen des Drahts |
| Spannung | beeinflusst Lichtbogenlänge und Nahtbreite | Spritzer, Unterbrechungen oder ungünstige Nahtform |
| Induktivität | verändert Kurzschlussverhalten und Lichtbogenhärte | zu harter oder zu weicher Lichtbogen |
| Schutzgas | beeinflusst Einbrand, Tropfenübergang und Nahtoberfläche | Poren, Oxidation oder instabiler Lichtbogen |
| Drahtdurchmesser | bestimmt Strombereich und mögliche Abschmelzleistung | ungeeigneter Arbeitsbereich oder instabile Förderung |
| Gasdurchfluss | schützt Lichtbogen und Schmelzbad | Poren bei zu wenig Gas, Turbulenzen bei zu viel Gas |
| Schweißgeschwindigkeit | beeinflusst Wärmeeintrag und Nahtquerschnitt | zu hoher Einbrand, Bindefehler oder Verzug |
Auch Brennerwinkel, freier Drahtauslauf und Abstand zum Werkstück bleiben trotz Synergie entscheidend. Eine automatische Kennlinie kann eine falsche Brennerführung nicht ausgleichen.
Was bedeutet synergisches Schweißen?
In einer synergischen Schweißmaschine sind Kennlinien beziehungsweise Programme gespeichert. Sie verknüpfen passende Werte für Drahtvorschub, Spannung, Stromstärke und weitere Prozessparameter.
Der Anwender wählt zunächst die grundlegenden Prozessdaten:
- Werkstoff, zum Beispiel Stahl, Edelstahl oder Aluminium,
- Drahtart und Drahtdurchmesser,
- verwendetes Schutzgas,
- gegebenenfalls Naht- oder Prozessart.
Danach wird ein Leitparameter eingestellt. Je nach Gerät kann das die Materialdicke, der Schweißstrom oder der Drahtvorschub sein. Die Stromquelle berechnet daraus eine passende Kombination der übrigen Werte.
Synergie bedeutet daher nicht, dass das Gerät den Werkstoff selbst erkennt. Falsch ausgewählte Programme führen trotz automatischer Regelung zu ungeeigneten Parametern.
Welche Einstellungen übernimmt eine synergische Schweißmaschine?
Der Funktionsumfang hängt vom konkreten Modell ab. Einfache Geräte koppeln lediglich Drahtvorschub und Spannung. Umfangreichere Systeme berücksichtigen zusätzlich Material, Gas, Drahtdurchmesser, Pulsparameter, Startverhalten und Kraterfüllung.
Einfache Synergie
Bei einer einfachen Regelung wird mit einem Drehknopf meist die Drahtgeschwindigkeit beziehungsweise Leistung verändert. Das Gerät passt die Spannung innerhalb einer Kennlinie automatisch an. Für den Anwender bleibt häufig eine Spannungs- oder Lichtbogenlängenkorrektur verfügbar.
Erweiterte Synergie
Fortgeschrittene Geräte stellen Programme für unterschiedliche Material- und Gas-Kombinationen bereit. Zusätzlich können Funktionen wie Hot Start, Burn Back, Induktivität, Kraterstrom, 2T/4T oder Punkt- und Intervallschweißen integriert sein.
Vollständige Prozessprogramme
Bei hochwertigen Stromquellen können auch Puls- und Doppel-Puls-Verläufe hinterlegt sein. Die Maschine regelt dann unter anderem Grundstrom, Spitzenstrom, Pulsfrequenz und Drahtförderung innerhalb eines abgestimmten Programms.
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|---|---|
| Ideal TECNO MIG 351 S-PULSE | SKANDI KRAFT iTECH MIG 220 Alu CuSi |
Beispiele für synergische Schweißgeräte
Welche Vorteile und Grenzen hat Synergie?
Vorteile
- schnellere Grundeinstellung der Schweißmaschine,
- weniger gleichzeitige Einstellschritte,
- reproduzierbare Parameter bei wiederkehrenden Aufgaben,
- geringeres Risiko grob unpassender Kombinationen,
- einfacherer Einstieg in Puls- und Doppel-Puls-Prozesse.
Grenzen
- Programme gelten nur für vorgesehene Draht-, Gas- und Materialkombinationen,
- die Qualität der Kennlinien unterscheidet sich zwischen Herstellern und Modellen,
- Nahtvorbereitung, Brennerführung und Gasabdeckung bleiben Handarbeit,
- manuelle Korrekturen sind bei besonderen Nahtformen weiterhin notwendig,
- Synergie kann eine falsche Polarität oder ungeeignetes Zubehör nicht kompensieren.
Ein gutes Gerät sollte daher nicht nur viele Programme bieten, sondern auch sinnvolle Korrekturmöglichkeiten. Wichtig sind insbesondere Spannungskorrektur, Induktivität und eine verständliche Anzeige der gewählten Kennlinie.
Wie funktioniert Synergie bei Puls und Doppel-Puls?
Beim MIG/MAG-Pulsschweißen wechselt der Schweißstrom zwischen Grund- und Spitzenstrom. Dadurch kann der Tropfenübergang kontrolliert werden, ohne dauerhaft mit sehr hohem Strom zu arbeiten. Das ist besonders bei Aluminium, Edelstahl und spritzerarmen Anwendungen interessant.
Doppel-Puls überlagert diesen Prozess mit einer zusätzlichen, langsameren Modulation. Dadurch verändern sich Wärmeeintrag und Drahtförderung rhythmisch. Das kann eine schuppenartige Nahtoptik erzeugen und den Wärmeeintrag bei geeigneter Einstellung beeinflussen.
Da zahlreiche Parameter zusammenwirken, ist Synergie bei solchen Prozessen besonders hilfreich. Weitere Grundlagen finden Sie im Beitrag Impulsschweißen mit MIG/MAG und WIG.
Auch mit Synergie sollten Pulsprogramme nicht blind übernommen werden. Werkstückdicke, Spaltmaß, Wärmeableitung und Schweißposition können eine Korrektur erfordern.
Lohnt sich eine Schweißmaschine mit Synergie?
Eine synergische Schweißmaschine ist sinnvoll, wenn regelmäßig unterschiedliche Werkstoffe und Materialstärken bearbeitet werden oder schnell reproduzierbare Grundeinstellungen benötigt werden.
Besonders hilfreich ist sie für:
- Anfänger, die sich zunächst auf Brennerführung und Schmelzbad konzentrieren möchten,
- Werkstätten mit häufig wechselnden Aufträgen,
- Karosserie- und Reparaturarbeiten an dünneren Blechen,
- Aluminiumarbeiten mit passenden Programmen und geeigneter Drahtförderung,
- Puls- und Doppel-Puls-Anwendungen.
Vor dem Kauf sollte geprüft werden, welche Programme tatsächlich vorhanden sind. Die Bezeichnung „Synergie“ allein sagt nicht aus, ob nur zwei Parameter gekoppelt werden oder vollständige Material- und Pulsprogramme verfügbar sind.
Wichtige Auswahlkriterien
- Programme für die tatsächlich verwendeten Werkstoffe,
- unterstützte Drahtdurchmesser und Rollengrößen,
- Spannungs- und Lichtbogenlängenkorrektur,
- Induktivitätsregelung,
- Puls und Doppel-Puls, falls benötigt,
- 4-Rollen-Drahtvorschub bei anspruchsvoller Drahtförderung,
- Einschaltdauer bei praxisrelevanter Stromstärke,
- übersichtliche Anzeige und speicherbare Programme.
Fazit
Synergie erleichtert das MIG/MAG-Schweißen, indem zusammengehörige Parameter über hinterlegte Kennlinien gekoppelt werden. Dadurch lässt sich schneller eine stabile Grundeinstellung finden und bei wiederkehrenden Arbeiten reproduzieren.
Sie ersetzt jedoch weder die Auswahl des richtigen Drahts und Schutzgases noch die Kontrolle von Lichtbogen, Schmelzbad und Nahtform. Eine gute synergische Schweißmaschine zeichnet sich daher nicht nur durch Automatik, sondern auch durch präzise manuelle Korrekturen aus.
Häufig gestellte Fragen zum synergischen Schweißen
Was bedeutet Synergie beim MIG/MAG-Schweißen?
Synergie bedeutet, dass das Schweißgerät mehrere zusammenhängende Parameter anhand eines hinterlegten Programms aufeinander abstimmt. Der Anwender wählt beispielsweise Material, Drahtdurchmesser und Gas aus und verändert anschließend einen Leitparameter wie Materialdicke oder Drahtvorschub.
Stellt eine synergische Schweißmaschine alle Parameter automatisch ein?
Nein. Synergie liefert eine passende Grundeinstellung, ersetzt aber keine Kontrolle. Lichtbogenlänge, Spannungskorrektur, Induktivität, Gasmenge und Brennerführung müssen je nach Naht, Position und Werkstück weiterhin angepasst werden.
Ist Synergie für Anfänger sinnvoll?
Ja. Sie erleichtert den Einstieg, weil weniger Parameter gleichzeitig eingestellt werden müssen. Für gute Ergebnisse sind trotzdem Kenntnisse über Material, Draht, Gas, Nahtvorbereitung und Brennerführung erforderlich.
Was ist der Unterschied zwischen einfacher und vollständiger Synergie?
Bei einfacher Synergie werden nur wenige Parameter gekoppelt, zum Beispiel Drahtvorschub und Spannung. Eine umfangreichere Synergie berücksichtigt zusätzlich Material, Drahtdurchmesser, Schutzgas, Prozessart und gegebenenfalls Pulsprogramme.
Lohnt sich eine synergische MIG/MAG-Schweißmaschine?
Sie lohnt sich besonders bei häufig wechselnden Werkstücken, wiederkehrenden Arbeiten und bei Anwendern, die schnell zu einer stabilen Grundeinstellung gelangen möchten. Für seltene, sehr einfache Arbeiten kann ein konventionelles Gerät ausreichen.

