Das MIG/MAG-Lötschweißen ist ein wärmereduziertes Lichtbogenverfahren zum Verbinden dünner Bleche. Es wird vor allem bei verzinkten Karosserieblechen, beschichteten Stahlteilen, Lüftungselementen, Geländern und leichten Konstruktionen eingesetzt. Statt das Grundmaterial wie beim klassischen Schweißen vollständig aufzuschmelzen, wird überwiegend ein niedriger schmelzender Zusatzwerkstoff auf Kupferbasis verarbeitet.
Für saubere Ergebnisse braucht man ein präzise regelbares MIG/MAG-Schweißgerät, den passenden CuSi- oder CuAl-Draht, eine zuverlässige Drahtförderung und korrekt gewählte Schutzgas- und Lichtbogenparameter. Besonders komfortabel sind synergische Schweißgeräte für dünne und verzinkte Bleche, sofern sie ein geeignetes Lötprogramm besitzen.
- Beim Lötschweißen schmilzt hauptsächlich der Zusatzwerkstoff: Dadurch bleibt der Wärmeeintrag geringer als beim klassischen MIG/MAG-Schweißen.
- CuSi3 und Argon sind eine häufige Kombination: Die konkrete Freigabe des Draht- und Geräteherstellers ist maßgeblich.
- Weniger Wärme bedeutet nicht gefahrlos: Auch beim Lötschweißen verzinkter Bleche können gesundheitsschädliche Dämpfe entstehen.
Was ist MIG/MAG-Lötschweißen?
Das MIG/MAG-Lötschweißen, häufig auch MIG-Brazing genannt, ähnelt äußerlich dem MIG/MAG-Schweißen: Ein Draht wird automatisch durch den Brenner gefördert, im Lichtbogen aufgeschmolzen und unter Schutzgas in die Verbindung eingebracht.
Der entscheidende Unterschied liegt im thermischen und metallurgischen Ablauf. Beim klassischen Schweißen werden Grundmaterial und Zusatzwerkstoff aufgeschmolzen. Beim Lötschweißen soll dagegen vor allem der niedriger schmelzende Zusatzwerkstoff flüssig werden und die Werkstückoberfläche benetzen. Das Grundmaterial wird möglichst wenig aufgeschmolzen.
Dadurch entstehen geringere Wärmeeinflusszonen und weniger Verzug. Das Verfahren eignet sich deshalb besonders für dünne, beschichtete Bleche sowie für Reparaturen, bei denen Maßhaltigkeit und Korrosionsschutz wichtig sind.
Warum eignet sich das Verfahren für verzinkte Bleche?
Eine Zinkschicht schützt Stahl elektrochemisch vor Korrosion. Beim konventionellen Lichtbogenschweißen wird der Nahtbereich stark erhitzt. Dabei kann Zink schmelzen oder verdampfen, wodurch Poren, Spritzer, unruhiger Lichtbogen und eine lokal beschädigte Schutzschicht entstehen können.
Beim Lötschweißen liegt die Verarbeitungstemperatur des Kupferzusatzes deutlich unter der Schmelztemperatur von Stahl. Dadurch wird die Beschichtung im Randbereich meist weniger stark geschädigt und das dünne Blech verzieht sich weniger.
Die Zinkschicht bleibt jedoch nicht vollständig und unter allen Bedingungen erhalten. Direkt im Nahtbereich kann sie weiterhin thermisch beeinflusst werden. Nach der Arbeit müssen beschädigte Stellen kontrolliert und gegebenenfalls mit einem geeigneten Korrosionsschutz nachbehandelt werden.
Weitere Informationen zu Beschichtung, Vorbereitung und Gefahren enthält der Beitrag verzinkten Stahl richtig schweißen.
Beispiele für Schweißgeräte mit Funktion für Lötschweißen
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| SKANDI KRAFT iTECH MIG 220 Alu CuSi Synergie | Ideal EXPERT MIG 220 PFC PULSE Pro 5 LCD |
Welcher Draht und welches Schutzgas eignen sich?
CuSi3
CuSi3 ist einer der am häufigsten verwendeten Zusatzwerkstoffe zum MIG-Lötschweißen verzinkter Stahlbleche. Der Draht besteht überwiegend aus Kupfer und enthält Silizium. Er besitzt gute Benetzungseigenschaften und eine deutlich niedrigere Schmelztemperatur als Stahl.
CuAl8 und weitere Kupferlegierungen
Je nach Werkstoffkombination können auch CuAl8 oder andere Kupferlegierungen eingesetzt werden. Sie sind nicht automatisch austauschbar. Festigkeit, Benetzung, Farbe, Korrosionsverhalten und Geräteeinstellung unterscheiden sich.
Schutzgas
Für CuSi3 wird häufig reines Argon verwendet. Es unterstützt einen ruhigen Lichtbogen und begrenzt unerwünschte Reaktionen mit dem Zusatzwerkstoff. Das für normalen MAG-Stahldraht eingesetzte Argon-CO₂-Gemisch sollte nicht ungeprüft übernommen werden.
Eine allgemeine Einordnung der Gase bietet der Ratgeber Schutzgas für WIG und MIG/MAG auswählen.
Welches Schweißgerät eignet sich zum Lötschweißen?
Das Gerät muss im niedrigen Strom- und Spannungsbereich einen stabilen Lichtbogen erzeugen und den weichen Kupferdraht gleichmäßig fördern. Besonders geeignet sind moderne MIG/MAG-Inverter mit ausdrücklich vorgesehenem CuSi-, Brazing- oder Lötprogramm.
Ein synergisches Schweißgerät zum Lötschweißen kann Drahtvorschub und Spannung anhand von Drahtart und Durchmesser vorkonfigurieren. Die Synergie erleichtert den Start, eine Probenaht und die Feinabstimmung bleiben dennoch notwendig.
Wichtige Merkmale sind:
- stabile Regelung bei niedriger Leistung,
- einstellbare Spannung oder Lichtbogenlängenkorrektur,
- einstellbare Induktivität oder Lichtbogendynamik,
- 2T/4T und gegebenenfalls Punkt- oder Intervallbetrieb,
- geeignete Vorschubrollen und Führung für weichen Draht,
- kurzer, möglichst gerader Brennerweg.
Wer Gerät, Druckminderer, Brenner und Zubehör gemeinsam benötigt, kann passende MIG/MAG-Schweißgeräte-Sets vergleichen.
Parameter, Induktivität und Drahtförderung
Die richtigen Werte hängen von Blechdicke, Drahtdurchmesser, Zusatzwerkstoff, Verbindung, Spalt und Gerätekonstruktion ab. Pauschale Zahlen sind daher nur bedingt übertragbar.
Beim Einstellen gilt:
- mit niedriger Leistung und sauberem Kurzlichtbogen beginnen,
- Drahtvorschub und Spannung so abstimmen, dass der Brenner nicht stottert,
- nur so viel Wärme einbringen, wie für sichere Benetzung erforderlich ist,
- bei Spritzern, unruhigem Lichtbogen oder schlechtem Fließen jeweils nur einen Parameter verändern.
Eine höhere Induktivität verlangsamt typischerweise den Stromanstieg im Kurzschluss und macht den Lichtbogen weicher. Das kann das Fließen des Zusatzwerkstoffs verbessern und Spritzer reduzieren. Zu hohe Werte können den Lichtbogen jedoch träge machen. Die genaue Wirkungsrichtung der Skala ist geräteabhängig.
Mehr zur Abstimmung erklärt der Beitrag Induktivität am MIG/MAG-Schweißgerät einstellen.
Drahtführung
Kupferbasierte Drähte sind weicher als üblicher Stahldraht. Deshalb können falsche Rollen, zu hoher Anpressdruck oder ein verschmutzter Liner zu Verformungen und Vorschubproblemen führen.
In vielen Anwendungen sind ein geeigneter Kunststoff- oder Teflonliner, passende Rollen und ein Brenner von etwa 3 m vorteilhaft. Ob Teflon, Graphit oder eine andere Führung eingesetzt wird, richtet sich nach der Freigabe des Draht- und Brennerherstellers.
Brennerführung und Materialvorbereitung
Die Oberflächen müssen trocken, fettfrei und frei von Lack, Klebstoff, Dichtmasse und groben Oxiden sein. Beschichtungen dürfen nur so weit entfernt werden, wie es das Reparaturverfahren und der Korrosionsschutzplan vorsehen.
Ein allgemeingültiger Spalt von 1,5 bis 2,5 mm existiert nicht. Der notwendige Fügespalt hängt von Stoßart, Blechdicke und Reparaturvorgabe ab. Bei Überlappstößen wird anders gearbeitet als bei Stumpfstößen. Ein zu großer Spalt erhöht den Zusatzwerkstoffbedarf und erschwert die Wärmekontrolle.
Der Brenner wird häufig leicht schiebend geführt. Ein Winkel von ungefähr 10 bis 20 Grad kann eine gute Sicht auf das Schmelzbad und eine gleichmäßige Gasabdeckung ermöglichen. Stick-out, Geschwindigkeit und Winkel müssen gemeinsam abgestimmt werden.
Bei dünnen Karosserieblechen können kurze, versetzte Heftpunkte oder Intervallnähte den Wärmestau reduzieren. Eine starre „Eins-Zwei-Drei-Methode“ ist jedoch kein genormtes Verfahren und garantiert weder Maßhaltigkeit noch eine fehlerfreie Verbindung.
Vorteile und Grenzen des MIG/MAG-Lötschweißens
Vorteile
- geringerer Wärmeeintrag als beim klassischen MIG/MAG-Schweißen,
- weniger Verzug bei dünnen Blechen,
- geringere Schädigung metallischer Beschichtungen im Randbereich,
- gute Benetzung und vergleichsweise einfache Nachbearbeitung,
- geeignet für Karosserie-, Lüftungs- und leichte Metallbauarbeiten.
Grenzen
- teurer Zusatzwerkstoff,
- höhere Anforderungen an Drahtförderung und Parametrierung,
- nicht jede Konstruktion darf oder sollte gelötet statt geschweißt werden,
- Festigkeit und Einsatztemperatur unterscheiden sich von einer klassischen Schweißverbindung,
- Hersteller- und Reparaturvorgaben müssen eingehalten werden.
Die frühere Behauptung, dass die Gesamtfertigungskosten grundsätzlich um bis zu 20 % sinken, lässt sich nicht pauschal auf jede Anwendung übertragen. Wirtschaftliche Vorteile entstehen vor allem dann, wenn Verzug, Schleifarbeit und Korrosionsnacharbeit tatsächlich reduziert werden.
Zinkdämpfe und Arbeitsschutz
Der geringere Wärmeeintrag reduziert die thermische Belastung, verhindert die Freisetzung von Zinkoxid und anderen Schweißrauchbestandteilen aber nicht vollständig. Auch beim Lötschweißen verzinkter Bleche sind Punktabsaugung, ausreichende Raumlüftung und geeignete persönliche Schutzausrüstung erforderlich.
Schweißrauch darf nicht eingeatmet werden. Besonders kritisch sind enge Räume, schlechte Luftbewegung, verschmutzte Oberflächen und unbekannte Beschichtungen. Lacke, Primer, Dichtstoffe und Korrosionsschutzmittel können beim Erhitzen zusätzliche Gefahrstoffe freisetzen.
Bei Beschwerden nach der Exposition muss die Arbeit beendet, der Bereich verlassen und medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Der Beitrag Arbeitsschutz und Sicherheit beim Schweißen fasst die grundlegenden Schutzmaßnahmen zusammen.
MIG/MAG-Schweißgerät zum Lötschweißen auswählen
Achten Sie auf ein stabiles Lötprogramm, Synergie, einstellbare Lichtbogendynamik und eine geeignete Drahtförderung für CuSi- oder CuAl-Draht.
Zusammenfassung
MIG/MAG-Lötschweißen ist eine wirkungsvolle Methode zum Verbinden dünner und beschichteter Bleche. Der niedriger schmelzende Kupferzusatz reduziert den Wärmeeintrag und damit Verzug sowie Schäden an der Zinkschicht. Für reproduzierbare Ergebnisse sind jedoch ein geeignetes Gerät, eine präzise Drahtförderung, korrektes Schutzgas und sorgfältige Materialvorbereitung erforderlich.
Besonders praktisch sind MIG/MAG-Schweißgeräte für verzinkte Bleche mit Synergie- oder Brazing-Programm. Für eine komplett ausgestattete Werkstatt können zusätzlich Schweißgeräte-Komplettsets sinnvoll sein.
Häufig gestellte Fragen zum MIG/MAG-Lötschweißen
Was ist MIG/MAG-Lötschweißen?
Beim MIG/MAG-Lötschweißen wird ein niedrig schmelzender Zusatzwerkstoff, meist ein Kupfer-Silizium-Draht wie CuSi3, im Lichtbogen aufgeschmolzen. Das Grundmaterial soll dabei möglichst wenig oder gar nicht aufschmelzen. Dadurch eignet sich das Verfahren besonders für dünne, beschichtete Bleche.
Welches Schweißgerät eignet sich zum Lötschweißen?
Geeignet ist ein MIG/MAG-Inverter mit stabiler Regelung im niedrigen Strom- und Spannungsbereich sowie einem ausdrücklich vorgesehenen Löt- oder CuSi-Programm. Synergische Schweißgeräte erleichtern die Grundeinstellung, ersetzen aber keine Probenaht.
Welcher Draht wird zum Lötschweißen von verzinktem Stahl verwendet?
Für verzinkte Stahlbleche wird häufig CuSi3 verwendet. Je nach Grundwerkstoff und Anforderung kommen auch CuAl8 oder andere Kupferlegierungen infrage. Drahtdurchmesser und Freigabe müssen zum Gerät, Brenner und Werkstück passen.
Welches Schutzgas braucht man für CuSi3?
Für CuSi3 wird häufig reines Argon eingesetzt. Das passende Schutzgas hängt jedoch vom Zusatzwerkstoff, den Herstellerangaben und der Anwendung ab. Ein übliches MAG-Mischgas für Stahldraht sollte nicht ohne Prüfung übernommen werden.
Entstehen beim Lötschweißen von verzinktem Blech Zinkdämpfe?
Ja, auch beim wärmeärmeren Lötschweißen können Zink und Beschichtungsbestandteile erhitzt oder verdampft werden. Das Verfahren reduziert den Wärmeeintrag, beseitigt das Risiko aber nicht. Eine wirksame Absaugung und geeignete persönliche Schutzausrüstung bleiben erforderlich.

