Messing ist eine Kupfer-Zink-Legierung, die wegen ihrer guten Bearbeitbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und charakteristischen Farbe in Armaturen, Maschinenbauteilen, Musikinstrumenten und dekorativen Elementen eingesetzt wird. Das Fügen ist jedoch anspruchsvoll: Zink verdampft bei deutlich niedrigerer Temperatur als Kupfer und kann beim Schmelzschweißen Poren, Materialverlust und gesundheitsgefährdenden Zinkoxidrauch verursachen.
Deshalb sollte zuerst geklärt werden, ob das Bauteil tatsächlich geschweißt werden muss. Bei vielen Reparaturen ist Hartlöten oder TIG-Löten mit einem geeigneten kupferbasierten Zusatzwerkstoff technisch einfacher und mit geringerem Wärmeeintrag verbunden. Ist eine Schweißverbindung erforderlich, müssen Legierung, Zinkgehalt, Zusatzwerkstoff und Schutzgas genau aufeinander abgestimmt werden.
- Dekorative Reparatur und geringer Wärmeeintrag: häufig TIG-Löten mit CuSi3.
- Niedrig verzinktes, gut schweißbares Messing: WIG DC oder MIG nach geprüfter Verfahrensvorgabe.
- Unbekannte Legierung oder hoher Zinkgehalt: zuerst Werkstoff bestimmen; Hartlöten kann geeigneter sein.
- Weiße Rauchentwicklung: Arbeit unterbrechen und Absaugung sowie Parameter prüfen.
Was ist Messing und warum ist es schwierig zu schweißen?
Messing besteht hauptsächlich aus Kupfer und Zink. Je nach Sorte kommen weitere Legierungselemente wie Blei, Zinn, Aluminium, Silizium, Nickel oder Mangan hinzu. Der Zinkanteil kann je nach Legierungsgruppe stark variieren und beeinflusst Festigkeit, Farbe, Umformbarkeit und Schweißeignung.
| Messinggruppe | Typische Merkmale | Bedeutung beim Fügen |
|---|---|---|
| Kupferreiche Messingsorten | niedrigerer Zinkgehalt, gute Umformbarkeit | vergleichsweise besser schweißbar |
| Hochzinkhaltiges Messing | höhere Festigkeit, stärkeres Zinkverdampfen | Schmelzschweißen deutlich schwieriger |
| Bleihaltiges Messing | sehr gute Zerspanbarkeit | zusätzliche Gesundheits- und Schweißbarkeitsprobleme |
| Sondermessing | Zusätze wie Aluminium, Silizium oder Nickel | Verfahren und Zusatzwerkstoff legierungsspezifisch wählen |
Das Hauptproblem ist die unterschiedliche thermische Reaktion der Bestandteile. Zink verdampft bereits nahe der Schmelztemperatur vieler Messingsorten. Wird das Schmelzbad überhitzt, kann Zink austreten, wodurch Poren, Einbrandkerben, Farbveränderungen und eine geschwächte Naht entstehen.
Messing schweißen, hartlöten oder TIG-löten?
„Schweißen“ und „Löten“ sind nicht dasselbe. Beim Schmelzschweißen wird der Grundwerkstoff aufgeschmolzen. Beim Hart- oder TIG-Löten schmilzt hauptsächlich der Zusatzwerkstoff, während das Grundmaterial weitgehend fest bleibt.
| Verfahren | Wärmeeintrag | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| WIG-Schmelzschweißen | hoch | geeignete, eher zinkarme Messingsorten und technisch qualifizierte Verbindungen |
| TIG-Löten mit Siliziumbronze | niedriger | Reparaturen, sichtbare Nähte und Bauteile mit Verzugrisiko |
| Hartlöten | niedrig bis mittel | Armaturen, dünnwandige Teile und viele klassische Messingverbindungen |
| MIG-Schweißen oder MIG-Löten | mittel bis hoch | längere Nähte und größere Bauteile bei geeigneter Draht- und Verfahrensauswahl |
Für viele Reparaturfälle ist TIG-Löten mit Siliziumbronze die kontrollierbarere Lösung. Technische Grundlagen des Lichtbogenlötens finden Sie auch im Beitrag über das MIG-Löten mit einem Schweißgerät. Werkstoff und Zielsetzung unterscheiden sich dort, das Prinzip des geringeren Grundwerkstoffaufschmelzens ist jedoch verwandt.
Messing vor dem Schweißen vorbereiten
- Legierung bestimmen: Werkstoffnummer, Zinkgehalt und mögliche Blei- oder Aluminiumanteile prüfen.
- Beschichtungen entfernen: Lack, Politur, Öl, Fett und Oxidschichten vollständig beseitigen.
- Separate Werkzeuge verwenden: Bürsten und Schleifmittel nicht mit Stahl verunreinigen.
- Probe durchführen: Parameter und Zusatzwerkstoff an einem Reststück testen.
- Absaugung vorbereiten: Rauch direkt an der Entstehungsstelle erfassen.
- Wärmeeintrag begrenzen: kurze Lichtbogenzeit und angepasste Schweißfolge verwenden.
Unbekannte Altteile können bleihaltige oder anderweitig problematische Legierungen sein. Bei fehlender Werkstoffinformation sollte nicht auf Basis der Farbe allein entschieden werden.
Wie schweißt oder lötet man Messing mit WIG?
Für Messing wird beim WIG-Verfahren typischerweise Gleichstrom mit negativ gepolter Wolframelektrode verwendet. Ein AC/DC-Gerät kann eingesetzt werden, weil es auch einen DC-Modus besitzt; Wechselstrom ist für Messing jedoch nicht automatisch erforderlich.
Wichtige Einstellungen und Arbeitsweisen:
- Kurzer Lichtbogen: begrenzt die unnötige Erwärmung der Umgebung.
- Reines Argon: ist für viele WIG-Anwendungen die Standardwahl.
- Pulsfunktion: kann den mittleren Wärmeeintrag reduzieren, ist aber kein zwingender Universalwert und muss angepasst werden.
- Kurze Nahtabschnitte: helfen, Überhitzung und Verzug zu begrenzen.
- Passender Zusatzwerkstoff: für TIG-Löten häufig CuSi3; beim Schmelzschweißen nach Legierung und Verfahrensvorgabe auswählen.
Eine feste Pulsfrequenz von 30 Hz ist keine allgemeingültige Einstellung. Dünne Bleche, massive Gussteile und unterschiedliche Messingsorten benötigen jeweils andere Parameter. Hinweise zur Pulsregelung enthält der Beitrag Impulsschweißen mit WIG und MIG/MAG.
Für entsprechende Arbeiten eignen sich regelbare WIG-DC-Schweißgeräte für Messing sowie universelle WIG-Schweißgeräte mit Puls.
Wie schweißt man Messing mit MIG?
MIG wird bei Messing seltener als WIG eingesetzt, kann aber bei geeigneter Legierung und längeren Nähten sinnvoll sein. Entscheidend sind eine stabile Drahtförderung, ein zum Grundwerkstoff passender Zusatzwerkstoff und ein inertes Schutzgas.
Für Messing ist reines Argon die typische Ausgangsbasis. Eine Mischung aus Argon und CO₂, wie sie beim MAG-Schweißen von Stahl verwendet wird, ist keine allgemeine Empfehlung für Messing. Der aktive CO₂-Anteil kann unerwünschte Reaktionen und Oxidation fördern.
Bei der Drahtauswahl muss zwischen Schmelzschweißen und MIG-Löten unterschieden werden. CuSi3 und CuAl8 werden häufig für Löt- und Reparaturanwendungen eingesetzt, sind aber nicht automatisch farb- oder festigkeitsgleich mit jedem Messinggrundwerkstoff.
Geeignete MIG-Schweißgeräte für Messing und Kupferlegierungen sollten eine fein regelbare Spannung, stabile Drahtförderung und möglichst eine Puls- oder Synergiefunktion bieten.
Typische Fehler beim Messingschweißen
| Fehlerbild | Mögliche Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| starker weißer Rauch | zu hoher Wärmeeintrag und Zinkverdampfung | Arbeit unterbrechen, Absaugung prüfen, Strom und Lichtbogenzeit reduzieren |
| Poren in der Naht | Zinkverdampfung, Verschmutzung oder unzureichender Gasschutz | Oberfläche reinigen, Parameter und Gasführung prüfen |
| farblich abweichende Naht | Zusatzwerkstoff passt optisch nicht zum Grundmaterial | Füller anhand Legierung und sichtbarer Oberfläche auswählen |
| Verzug oder eingesunkene Kanten | zu lange Wärmeeinwirkung | kurze Abschnitte, Puls oder Lötverfahren verwenden |
| instabiler Lichtbogen | verschmutzte Elektrode, falsches Gas oder zu langer Lichtbogen | Elektrode neu vorbereiten und Gasversorgung kontrollieren |
Sicherheit bei Zinkoxidrauch
Beim Erhitzen von Messing kann Zinkoxidrauch entstehen. Er kann Metallrauchfieber auslösen. Eine offene Werkstatttür allein ist keine verlässliche Schutzmaßnahme. Benötigt werden eine wirksame Punktabsaugung, ausreichende Raumlüftung und – abhängig von der Gefährdungsbeurteilung – geeigneter Atemschutz.
Beschichtungen und unbekannte Legierungsbestandteile können zusätzliche Schadstoffe freisetzen. Weitere Grundregeln beschreibt der Beitrag Arbeitsschutz und Sicherheit beim Schweißen.
Welches Schweißgerät eignet sich für Messing?
Für Reparaturen und präzise Sichtnähte ist ein WIG-DC-Gerät mit HF-Zündung, Puls, Stromabsenkung und regelbarer Gasnachströmung meist die sinnvollste Wahl. Für längere Nähte kann ein MIG-Gerät mit stabilem Drahtvorschub und fein regelbaren Parametern geeigneter sein.
- WIG DC: für kontrollierte Reparaturen, dünnere Teile und TIG-Löten.
- MIG mit Puls: für höhere Arbeitsgeschwindigkeit und längere Nähte.
- Multiprozessgerät: sinnvoll, wenn Messing nur eine von mehreren Anwendungen ist.
- Gasregelung: Rotameter und dichte Leitungen sind wichtiger als eine pauschal hohe Gasmenge.
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|---|---|
| SKANDI KRAFT iTECH WIG 220 AC/DC | Spartus XPro MIG 260 Dual Pulse |
Fazit
Messing kann geschweißt werden, doch nicht jede Legierung ist dafür gleichermaßen geeignet. Mit zunehmendem Zinkgehalt steigen das Risiko von Poren, Zinkverlust und Rauchentwicklung. Deshalb ist die Werkstoffbestimmung der erste Schritt.
Für viele Reparaturen bietet TIG-Löten mit Siliziumbronze einen praktikablen Kompromiss aus geringem Wärmeeintrag, kontrollierter Verarbeitung und ansprechender Nahtoptik. Muss der Grundwerkstoff tatsächlich aufgeschmolzen werden, sind eine geprüfte Verfahrenswahl, zinkfreier Zusatzwerkstoff, reines Argon und wirksame Absaugung entscheidend.
Häufig gestellte Fragen zum Schweißen von Messing
Kann man Messing überhaupt schweißen?
Ja, bestimmte Messingsorten lassen sich schweißen. Mit steigendem Zinkgehalt wird das Schmelzschweißen jedoch schwieriger, weil Zink früh verdampft und Poren sowie Zinkoxidrauch verursachen kann. Häufig ist Hartlöten oder TIG-Löten die bessere Reparaturmethode.
Welches Verfahren eignet sich zum Schweißen von Messing?
Für präzise Reparaturen wird häufig WIG DC beziehungsweise TIG-Löten mit einem geeigneten kupferbasierten Zusatzwerkstoff verwendet. MIG ist bei größeren Bauteilen möglich, erfordert aber eine stabile Drahtförderung, reines Argon und einen zum Grundwerkstoff passenden Draht.
Welches Schutzgas verwendet man für Messing?
Beim WIG- und MIG-Schweißen von Messing wird üblicherweise reines Argon verwendet. Bei dickeren Bauteilen können geeignete Argon-Helium-Gemische den Wärmeeintrag erhöhen. CO₂-haltige MAG-Gemische sind für Messing nicht die Standardwahl.
Welcher Zusatzwerkstoff eignet sich für Messing?
Der Zusatzwerkstoff muss zur Legierung und zum gewünschten Verfahren passen. Für TIG-Lötarbeiten wird häufig Siliziumbronze wie CuSi3 verwendet. Beim Schmelzschweißen sollten zinkfreie, kupferbasierte Zusatzwerkstoffe nach Hersteller- oder Verfahrensvorgabe gewählt werden.
Warum entsteht beim Schweißen von Messing weißer Rauch?
Der weiße Rauch besteht häufig zu einem wesentlichen Teil aus Zinkoxid, das durch verdampfendes Zink entsteht. Eine wirksame Absaugung und geeigneter Atemschutz sind erforderlich, weil Zinkoxidrauch Metallrauchfieber verursachen kann.

